EWU-Arbeitslosenquote: Immer noch schlummerndes Potential für die Wirtschaft

Die Erholung am Arbeitsmarkt im Euro-Raum setzt sich weiter allmählich fort. Die Arbeitslosenquote ging im Dezember 2015 um 0,1 Prozentpunkte auf 10,4 Prozent zurück. Dabei hat sich die Beschäftigungsdynamik im Vergleich zum Vorjahr nur wenig verbessert. Positiv hervorzuheben ist, dass sich von den 19 Euroländern lediglich in Österreich, Finnland und Lettland die Lage am Arbeitsmarkt gegenüber dem Dezember 2014 verschlechtert hat. Die größten Rückgänge bei der Arbeitslosigkeit vermeldeten hingegen Spanien von 23,6 auf 20,8 Prozent und Portugal von 13,6 auf 11,8 Prozent. Die geringste Quote im Euro-Raum – gemessen nach internationalem Standard – weist unverändert Deutschland mit 4,5 Prozent auf.

Trotz der eher moderaten Erholung am EWU-Arbeitsmarkt sind die positiven Auswirkungen unlängst zu spüren. Denn neben der Entlastung durch die stark gesunkenen Energiepreise wirkt die gestiegene Beschäftigungsdynamik positiv auf die Nachfrage der privaten Haushalte. Mehr und mehr Menschen im Euro-Raum kommen in Lohn und Brot und kurbeln so das Wirtschaftswachstum an. So dürfte der private Konsum im Euro-Raum im Jahr 2015 um 1,6 Prozent gewachsen sein; nach nur 0,8 Prozent im Jahr 2014.

Dabei ist das Potential, die private Nachfrage über eine höhere Beschäftigung anzuregen, längst nicht ausgeschöpft. Denn historisch betrachtet bewegt sich die Arbeitslosenquote weiter auf einem hohen Niveau. Nur schlägt sich trotz der laut Umfragen ausgesprochen hohen Bereitschaft in der Privatwirtschaft, den Beschäftigungsaufbau voranzutreiben, bisher eher eine moderate Dynamik in der Arbeitslosenstatistik nieder. Was angesichts des strukturellen Wandels an den europäischen Arbeitsmärkten in Folge der Krisenjahre auch nicht wirklich verwundert. So dämpfen in einigen Ländern nach wie vor restriktive Arbeitsgesetze trotz guter Auftragslage den Stellenaufbau, während beispielsweise in Spanien eine große Zahl an Arbeitslosen aus dem Bausektor auf dem Arbeitsmarkt lastet und nur schwer integriert werden kann.

Würde der Abbau der Arbeitslosenquote in dem moderaten Tempo der letzten zweieinhalb Jahre weitergehen, könnte es noch einige Jahre dauern, bis im Euro-Raum das Vorkrisenniveau von rund 9 Prozent erreicht würde. Damit wäre zwar weiterhin eine Unterstützung für das Wachstum des privaten Konsums gegeben. Andererseits bliebe ein großes Potential für die weitere wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum für längere Zeit ungenutzt.

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