Griechenland: Wohl und Wehe

Im Fall Griechenlands liegen Wohl und Wehe derzeit so nahe beieinander wie schon lange nicht mehr. Die anstehende Rentenreform könnte den Ausschlag geben, in welche Richtung Griechenland in Zukunft steuert. In einem günstigen Fall gelingt die anstehende Rentenreform und der in dieser Woche offiziell begonnene ESM-Review kann zu einem positiven Abschluss gebracht werden.

Diese Entwicklung würde nicht nur die Auszahlung weiterer Kredittranchen sichern, sie erhöhte auch die Chancen, dass sich der IWF nach einer Regeländerung des „Exceptional Access Lending Framework“ auch am Hilfsprogramm für Griechenland beteiligt. Gewährten die Gläubiger Griechenland sogar Schuldendiensterleichterungen, würde sich die Schuldentragfähigkeit unter Umständen deutlich verbessern. Dies könnte auch den Weg für neue Primärmarktemissionen ebnen, die Griechenland bereits für das zweite Halbjahr dieses Jahres ins Auge gefasst hat, wenngleich dieses Ziel sehr ambitioniert erscheint. Überdies hat die EZB in Aussicht gestellt, dass griechische Bonds bei einem positiven Programmverlauf ihre EZB-Fähigkeit zurückerhielten und sogar die Aufnahme in das PSPP wäre nach Abschluss des Reviews zu erwarten. S&P hat angesichts der Möglichkeit einer recht positiven Entwicklung Griechenlands jüngst erst das Rating auf B- (stabil) angehoben.

Misslingt jedoch die Rentenreform und zerbricht die Koalition an der Umsetzung der Kreditauflagen, was angesichts des wachsenden öffentlichen Protests und einer auf drei Stimmen geschrumpften Stimmenmehrheit der Koalition im Parlament ebenfalls möglich ist, droht sich die Lage wieder zuzuspitzen. Neuwahlen könnten die Folge sein, die den Fortgang des Hilfsprogramms deutlich verzögerten und gleichzeitig in Frage stellten. Der gesamte ESM-Kreditprozess geriete ins Stocken und Griechenlands aktuell bestenfalls mäßige Liquiditätslage würde wieder in den Mittelpunkt rücken. Selbst eine erneute Grexit-Diskussion könnte wiederaufflammen.

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