Verkehrte Welt – Fallende Ölpreise führen zu fallenden Aktienkursen

Aktienmärkte und der Ölpreis haben einen fürchterlichen Jahresstart hinter sich gebracht. Aktien verloren, gemessen an der Kursentwicklung des MSCI World, knapp acht Prozent. Der Ölpreis notiert seit Jahresbeginn nur knapp zwei Prozent im Minus, jedoch war der bisherige Handelsverlauf geprägt von großer Volatilität, inklusive starker Umschwünge im Intraday-Handel. Die Korrelation zwischen Ölpreis- und Aktienmarktentwicklung fiel dabei sehr hoch aus, was historisch gesehen sehr ungewöhnlich ist. Am Aktienmarkt wird der fallende Rohölpreis als Vorbote einer schwächeren weltwirtschaftlichen Entwicklung interpretiert, die sich negativ auf die Unternehmensgewinne auswirken soll. Zunächst beschränkte sich diese Annahme auf die Unternehmen der Energiebranche (als direkte Folge des Ölpreissturzes), zwischenzeitlich hat sie aber mit annähernd epidemischen Zügen die Kursentwicklung anderer Sektoren erfasst. Im Kontrast zur vorherrschenden Meinung am Aktienmarkt steht die Einschätzung der Rohölanalysten (auch die der DZ BANK). Diese führen den gefallenen Rohölpreis weniger auf eine Nachfrageschwäche zurück, sondern vielmehr auf einen Angebotsüberschuss infolge anziehender Fördermengen.

Die Zeiten, in denen ein fallender Rohölpreis weltweit als Glücksfall für Konsumenten galt, scheinen am Aktienmarkt temporär außer Kraft gesetzt. Dies zeigt sich am Aktienmarkt insbesondere daran, dass der Sturz der Aktienmärkte zwischenzeitlich auch Branchen mit nach unten zieht, die eigentlich vom niedrigen Rohölpreis profitieren sollten. Dazu gehören die Kurse von Konsum-, Tourismus- und Automobilaktien. Dass diese fallen, hängt also augenscheinlich von weiteren Faktoren ab als nur von der Ölpreisentwicklung. Die Sorgen um die weitere Entwicklung der chinesischen Wirtschaft sowie der anhaltenden Flucht in sichere Häfen wie Bundesanleihen tragen sicherlich überproportional zur aktuellen Kursschwäche bei.
Die Aktienmärkte befinden sich seit einigen Monaten in einem negativen Feedbackkreislauf, maßgeblich bestehend aus verhaltenem Gewinnwachstum, Deutungsschwierigkeiten des Marktes zur Rohölpreisentwicklung und Sorgen um das zukünftige Wachstum. Es bedarf nun eines geeigneten Katalysators, um diesen negativen Kreislauf zu durchbrechen und erste Käufe stimulieren zu können. Dieser könnte unseres Erachtens schon eine weitere Stabilisierung der volkswirtschaftlichen Indikatoren im Zeitablauf oder – der aktuellen Logik des Marktes folgend – des Rohölpreises sein.

Die Flucht in Bundesanleihen dürfte in Anbetracht der geringen Nominal- (und negativen Real-) verzinsung kein langfristiges Allheilmittel bleiben. Sollte sich die aktuelle Unsicherheit bezüglich der Weltwirtschaft erwartungsgemäß wieder Stück um Stück zurückbilden, könnten auch Aktienanlagen wieder stärker in den Fokus rücken. Dafür sprechen auch die unguten Erfahrungen der Investoren nach hohen Verlusten mit Anlagen in Emerging Marktes, Rohstoffen und einzelnen Anleihensegmenten (z.B. US-High Yields).

Die Aktienmärkte haben im Zuge der Korrektur eine deutliche Verbesserung der Bewertungsindikatoren gesehen, viele Unternehmen werden am Aktienmarkt so tief bewertet wie seit vielen Jahren nicht mehr. Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung zunächst noch gehemmt verlaufen sollte, scheinen die Abschläge bei vielen Unternehmen übertrieben. Auch der DAX weist zwischenzeitlich gegenüber unserem prognostizierten Jahresendziel von 11.000 Punkten ein Anstiegspotenzial auf, welches für Käufe empfehlenswert ist.

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