Brexit würde auch auf Aktienmarkt lasten

Ein „Brexit“, also ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU), ist für die Kapitalmärkte in Europa eines der größten politischen Risiken. Die Briten wollen spätestens nächstes Jahr über einen möglichen Austritt aus der EU abstimmen. Premier Cameron könnte, basierend auf den jüngsten politischen Entwicklungen in Großbritannien, das Referendum theoretisch aber bereits jederzeit ausrufen, das Referendum würde dann 16 Wochen später abgehalten. Die gesamtwirtschaftlichen und politischen Folgen eines möglichen Brexits wären durchaus gravierend, wie unsere Volkswirte und Devisenanalysten an dieser Stelle mehrfach ausgeführt hatten.

Auch der deutsche Aktienmarkt dürfte im Falle eines Brexits kurzfristig unter Druck geraten, weil beim Eintritt eines negativen (positiven) Ereignis am Aktienmarkt üblicherweise ein Überschießen der Kurse nach unten (oben) zu beobachten ist. Dies liegt daran, dass zunächst oft unklar ist, was das Ereignis langfristig für fundamentale Auswirkungen hat und viele Investoren daher zunächst aus dem Risiko gehen und Aktien verkaufen. Ein deutlicher Rücksetzer des DAX innerhalb kurzer Zeit wäre im Falle eines Brexits durchaus möglich, wenngleich dies aus unserer Sicht eine übertriebene und vom Sentiment getriebene Reaktion wäre.

Langfristig entscheidend ist, welche Auswirkungen ein Brexit auf die fundamentale Entwicklung der deutschen Unternehmensgewinne hat. Wir schätzen, dass die DAX-Unternehmen 2014 direkt weniger als fünf Prozent der Umsätze in Großbritannien erzielt haben. Daher erscheint uns eine maßgebliche Reduktion (z.B. fünf oder zehn Prozent) des fairen Wertes des DAX im Falle des Brexits nicht möglich. Dies ginge rechnerisch nur, wenn die gesamte Nachfrage aus Großbritannien ersatzlos wegfallen würde, was aus unserer Sicht sehr unrealistisch erscheint. Die direkten Folgen scheinen also verkraftbar. Nichtdestotrotz gibt es einige Unternehmen im DAX, für die der britische Markt wichtig ist, und dies nicht nur in Bezug auf die Unternehmensumsätze.

Zusätzlich greifen noch indirekte (Zweitrunden-) Effekte, weil sich infolge des Brexits das gesamte Wachstum in Europa zeitweise verlangsamen sollte, wodurch deutsche Unternehmen ebenfalls leiden würden. Die DAX-Gesellschaften erzielten 2014 53% der Unternehmensumsätze in der EU, so dass hier ebenfalls kurzfristige Bremseffekte entstehen werden.

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