Der Preisauftrieb am deutschen Wohnungsmarkt hat sich 2015 beschleunigt

Der deutsche Wohnungsmarkt hat sich 2015 in Bestform gezeigt, die Preise für Wohneigentum sind so stark wie seit Beginn der 1990er Jahre nicht mehr gestiegen. Das belegen die jüngst vom Verband deutscher Pfandbriefbanken vdp veröffentlichten Daten. Danach hat sich selbst genutztes Wohneigentum im Jahresdurchschnitt um 4,5 Prozent verteuert. Gegenüber der jüngeren Vergangenheit ist das eine deutliche Beschleunig des Preisanstiegs: In den vier Jahren von 2011 bis 2014 lag das Plus jeweils bei rund 3 Prozent. Neben dem insgesamt kräftigen Preiszuwachs ist zudem bemerkenswert, dass die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser, die seit 2011 stets langsamer als die von Eigentumswohnungen gestiegen sind, 2015 vorne lagen. Für Häuser mussten im Durchschnitt 4,8 Prozent, für Wohnungen 4,0 Prozent mehr bezahlt werden.

Noch deutlich ausgeprägter als beim Wohneigentum zogen die Preise für Mehrfamilienhäuser an, die mit 7,2 Prozent den schon hohen Wert des Vorjahres von 6,9 Prozent noch übertreffen konnten. Damit sind die Preise für Mehrfamilienhäuser in den zurückliegenden 5 Jahren durchgängig stärker als die von Wohneigentum gestiegen. Während sich letzteres in diesem Zeitraum um rund 17 Prozent verteuert hat, stiegen die Preise von Mehrfamilienhäusern um fast 30 Prozent. Die hohe Preisdynamik bei diesem eher gewerblich ausgerichteten Marktsegment fußt neben den steigenden Mieten der in mehr und mehr Städten knappen Wohnungen insbesondere auf dem Anlegenotstand vieler Investoren, die mit Immobilien die Auswirkungen der niedrigen Kapitalmarktrenditen in ihren Portfolios abmildern wollen.

Bemerkenswert ist zudem der starke reale Preiszuwachs, der auch nach Abzug der allgemeinen Teuerung noch knapp oberhalb von 4 Prozent lag. Das ist der niedrigen Inflationsrate geschuldet, die durch den gesunkenen Ölpreis auf ein Niveau nahe Null gedrückt wurde. Dagegen ist der ohnehin schwächere Preisanstieg in den Vorjahren von einer Inflationsrate von im Mittel etwa 1,5 Prozent gebremst worden. Weil die Preise am deutschen Wohnungsmarkt aber erst seit 2010 anziehen, zuvor aber über viele Jahre stagnierten, haben die Eigentümer selbst genutzter Immobilien im Durchschnitt über die vergangenen 20 Jahre reale Wertverluste erlitten. Denn während die Preise für Wohneigentum seit Mitte der 1990er Jahre insgesamt um etwas mehr als 20 Prozent gestiegen sind, ist der kumulierte Verbraucherpreisanstieg um gute 10 Prozentpunkte stärker ausgefallen.

Umso erfreulicher ist die aktuelle Preisentwicklung für Eigentümer, weil sich die ernüchternde langfristige Wertentwicklung von Wohneigentum damit sukzessive wieder verbessert. Außerdem hat der Preiszuwachs neben den Groß- und Universitätsstädten inzwischen auch weitere Landesteile erfasst. Das anhaltende Zinstief sorgt dafür, dass die laufende Belastung aus dem Kauf einer eigenen Immobilie regelmäßig niedriger als die Miete eines vergleichbaren Objekts ausfällt. Das gilt umso stärker für die Regionen, die in den zurückliegenden Jahren nicht vom starken Preisauftrieb der Ballungsräume erfasst worden sind. Hier haben der starke Zuzug, zu niedrige Neubauzahlen und Geldanleger für zum Teil zweistellige jährliche Zuwachsraten gesorgt. Die immer wieder diskutierte Preisblase am deutschen Wohnungsmarkt ist insofern eine lokal begrenzte Entwicklung, die aber nicht unterschätzt werden sollte. Denn mit den in Metropolen immer noch dynamisch steigenden Preisen nimmt das Risiko von Preiskorrekturen in solch überhitzten Teilmärkten zu, die dann auf den Gesamtmarkt überspringen könnten.

Derzeit erscheint eine Korrektur mit Blick auf das Umfeld des deutschen Immobilienmarktes allerdings unwahrscheinlich. Wohnungen bleiben knapp, trotz aller Bemühungen zur Belebung des Wohnungsbaus. Dafür sorgt neben dem anhaltenden Einwohnerwachstum in den Städten auch der Wohnungsbedarf der Flüchtlinge. Zudem ist die Erschwinglichkeit von Wohneigentum weiterhin gut, weil sich am niedrigen Zinsniveau voraussichtlich erst einmal wenig ändert und zugleich der Finanzierungspielraum der Haushalte dank steigender Löhne größer wird. Niedrige Zinsen und die aufgeflammten Turbulenzen an den Aktien- und Rentenmärkten dürften grundsätzlich auch das Interesse von Investoren am Wohnungsmarkt aufrechterhalten. Unwahrscheinlich ist aber auch eine weitere Beschleunigung des Preisauftriebs, vielmehr dürfte die Dynamik stabil bleiben oder etwas nachlassen. Denn die Rahmenbedingungen werden nicht besser, während die Preise steigen und die erzielbaren Renditen sinken.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Ein Kommentar

Ich habe das Gefühlt das es jedes Jahr stärker und stärker ist. Das ist mal ’ne gute Investition oder?

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *