Herbe Enttäuschung bei den chinesischen Außenhandelszahlen

Prognosen zum chinesischen Außenhandel sind generell nicht einfach, insbesondere in den Monaten rund um das chinesische Neujahrsfest. Das zeigt schon die Bandbreite der Analystenschätzungen für das Im- und Exportwachstum, die für den zurückliegenden Januar von minus 10 bis plus 7 Prozent für die Exporte und minus 15 bis plus 3 Prozent für die Importe reichte. Die ohnehin sehr schwankungsanfälligen, weil nicht saisonbereinigten Außenhandelszahlen werden durch die Neujahrsfeiertage, an denen Fabriken, Geschäfte und Behörden geschlossen bleiben, regelmäßig stark verzerrt. Hinzu kommen Vorzieh- und Nachholeffekte in den Wochen vor und nach den Feiertagen. Vor allem in den jährlichen Wachstumsraten zeigen sich in den ersten Monaten des Jahres starke Ausschläge, da das am Mondkalender ausgerichtete Neujahrsfest jedes Jahr auf einen anderen Termin fällt. Im vergangenen Jahr beispielsweise, als das Neujahrsfest auf einen vergleichsweise späten Termin Mitte Februar fiel, lagen die Exporte im Februar um 48 Prozent im Plus, im März dann um 15 Prozent im Minus. In diesem Jahr fand das chinesische Neujahr am 8. Februar statt.

Dass die aktuell gemeldeten Werte mit -11,4 Prozent für die Exporte und -18,6 Prozent für die Importe aber die bereits vorsichtigen Analystenschätzungen noch unterschritten haben, ist bei allen Erklärungen zu den Saisoneffekten trotzdem eine herbe Enttäuschung. Möglich, dass die bislang üblichen Vorzieheffekte in den Wochen vor Neujahr inzwischen weniger ausgeprägt ausfallen. Möglich auch, dass der erneut deutliche Rückgang der Rohstoffpreise die nominalen Werte der Ein- und Ausfuhren deutlich gedrosselt hat – darauf deuten zumindest die Daten für die mengenmäßigen Einfuhren von Rohöl hin, die zuletzt weiter gestiegen sind. Außerdem waren sowohl die Importe als auch die Exporte im vorangegangenen Dezember überraschend kräftig. Die Vorzieheffekte könnten größtenteils bereits Ende letzten Jahres stattgefunden haben und die aktuellen Werte zeigen nun einen Rückprall nach den höheren Ausgangsniveaus.

Auch wenn Außenhandelszahlen zum Jahresauftakt nicht auf die Goldwaage gelegt werden sollten – beunruhigend sind sie allemal. Daran ändert auch der rekordhohe Außenhandelsüberschuss von 63 Mrd. USD nichts, der grundsätzlich positiv zum Wirtschaftswachstum beitragen sollte. Die Daten zu den Importen legen nahe, dass sich vor allem die Binnennachfrage zum Jahresauftakt schwach gezeigt hat. In Ermangelung weiterer Konjunkturindikatoren, die China aufgrund der statistischen Verzerrungen größtenteils erst im März für Januar und Februar zusammen veröffentlicht, deuten die heutigen Daten auf einen schwachen Start der chinesischen Wirtschaft ins Jahr 2016 hin.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *