Japan: Wachstum zum Jahresende 2015 enttäuscht mit einem Minus

Zum Jahresende 2015 hat das Wachstumstempo der japanischen Wirtschaft eindeutig enttäuscht, die gesamtwirtschaftliche Leistung fiel im vierten Quartal um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal (einfache Rate). Dies ist eine deutlich schlechtere Zahl als vom Markt – und auch von uns – erwartet war. Es handelt sich hier allerdings um die erste vorläufige Schätzung, die in der Regel noch mehr oder weniger starken Revisionen ausgesetzt sein wird. So wurde der entsprechende Wert des dritten Quartals von ursprünglich gemeldeten -0,1 Prozent auf nun +0,3 Prozent hochrevidiert.

Der jüngste Wachstumsrückschlag beruht vor allem auf schwachen Konsumausgaben, die immerhin um -0,8 Prozent (Q/Q) zurückgingen. Aber auch die Exporte sind im Endquartal gesunken (-0,9 Prozent). Dahinter standen die schwächeren Lieferungen in die USA und nach China, wie auch in andere Schwellenländer. Die Investitionstätigkeit, mit Ausnahme des Wohnungsbaus, erwies sich aber als recht stabil. So stiegen die Ausgaben für neue Produktionsanlagen und Ausrüstungen um 1,4 Prozent.

Das jüngste Zahlentableau zum japanischen Wirtschaftswachstum ist keine gute Nachricht für Premier Shinzu Abe. Es stellt nämlich die Wirksamkeit seiner Wirtschaftspolitik der „Abenomics“ in Frage, die er nun seit rund drei Jahren als Regierungschef verfolgt und die eine „neue Dynamik“ entfachen sollte. Für 2015 steht dagegen nun das magere Realwachstum von 0,4 Prozent zu Buche, nach Stagnation im Vorjahr. Auch von dem Ziel, der Deflation ein nachhaltiges Ende zu setzen, ist Abe beziehungsweise der von ihm ernannte Notenbankchef Kuroda immer noch weit entfernt, nachdem die Teuerung der Verbraucherpreise immer noch nahe der Null-Linie verharrt und im Dezember nur bei 0,2 Prozent lag.

Wir erklären das Konzept der Abenomics aber nicht als gescheitert. Vielmehr ist seine Umsetzung nicht konsequent und schnell genug. Um das längerfristige Wachstumsziel von real mindestens 2 Prozent und auch das Inflationsziel der Bank of Japan von ebenfalls 2 Prozent zu erreichen, müssen die Privathaushalte vor allem darauf vertrauen können, dass ihre Einkommen und ihre Kaufkraft mittelfristig steigen werden. Gerade ihre Einkommenserwartungen waren zuletzt – trotz niedriger Arbeitslosenquote – aber schwächer geworden, was die private Kaufzurückhaltung am Jahresende erklärt. Zur Erhöhung der Konsumdynamik bedarf es zum Beispiel weiterer Reformen am Arbeitsmarkt, mehr Marktzugangsmöglichkeiten für Start-up-Unternehmen, weiteren Abbau von zu starren Regulierungen zum Zwecke von produktivitätsverbessernden Investitionen und ein liberaleres Außenhandelsregime.

Hinsichtlich der Befindlichkeiten der Konsumenten im Inland ist es nun aber mindestens genauso wichtig, dass bei den kommenden Lohnverhandlungen (Shunto-Runde) ein höherer Lohnabschluss herauskommt als im April 2015, als es nominal rund 2,7 Prozent waren. Die Unternehmen sehen sich einem immer knapper werdenden Angebot von qualifizierten jungen Arbeitskräften gegenüber, so dass die Chancen auf höhere Abschlüsse nicht schlecht scheinen und das Wirtschaftswachstum sich in diesem Jahr wieder etwas erholen kann.

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