Ausweitung der EZB-Käufe ist nur bedingt möglich

Seit der EZB-Sitzung Ende Januar wird über verschiedene Varianten einer expansiveren Gangart der EZB spekuliert. Im Gespräch ist neben der von uns erwarteten Senkung des Einlagensatzes auch eine Ausweitung des derzeitigen EZB-Ankaufprogramms. Die Frage ist dabei, ob und wenn ja, welche Möglichkeiten die EZB überhaupt hat, um das derzeitige Ankaufprogramm von Staats-, Regional und Kommunalanleihen, Covered Bonds und ABS-Papieren sowie Titeln von nationalen Förderinstituten und supranationalen Emittenten noch auszuweiten.

Die Entscheidung der EZB im Dezember das Ankaufprogramm auf Regional- und Kommunalanleihen auszuweiten, hat ihr die Möglichkeit gegeben, das Programm bis März 2017 zu verlängern. Sollte der EZB-Rat in seiner nächsten Sitzung nun erneut dazu tendieren, die monatlichen Ankäufe zu verlängern oder aufstocken zu wollen, ist dies mit dem gegenwärtigen Regelwerk nur schwer vorstellbar. In erster Linie würden Käufe von Anleihen deutscher Emittenten bald wieder an die Grenzen der Ankaufregeln stoßen. Um dies zu verdeutlichen haben wir verschiedene Modellrechnungen durchgeführt.

Im Ergebnis kann die EZB eine Ausweitung oder Verlängerung des PSPP nur dann umsetzen, wenn sie den Einlagensatz senkt und/oder das Emissionslimit anhebt. Theoretisch denkbar wäre auch eine Änderung des Ankaufschlüssels zu Gunsten von Italien, Frankreich oder Spanien. Allerdings wäre eine solche Entscheidung politisch gesehen heikel. Ein solcher Schritt ist daher nicht sehr wahrscheinlich. Ein möglicher Kompromiss wäre hier theoretisch denkbar. Die EZB kauft offiziell entsprechend dem bestehenden Ankaufschlüssel weiterhin Anleihen im Rahmen des PSPP-Programms. Sobald jedoch ein Länderlimit erreicht wäre, würden die Käufe ruhen. Ein solches Vorgehen hätte ein mehr oder weniger unfreiwilliges „Tapering“ zur Folge. Eine weitere Möglichkeit, das Ankaufprogramm zu strecken, sind Käufe von Unternehmensanleihen. Neben der Tatsache, dass die EZB damit direkte und unausgeglichene Wirtschaftspolitik betreiben würde, ist das in Frage kommende Marktvolumen doch eher begrenzt, sodass wir einen solchen Schritt für sehr unwahrscheinlich halten.

Insgesamt sind die Möglichkeiten der EZB also bereits sehr weit ausgeschöpft. Entsprechend sorgsam dürfte die EZB mit den noch verbleibenden Alternativen umgehen.

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