EZB: Senkung des Einlagensatzes sicher – zweistufiger Einlagensatz möglich

Angesichts des jüngsten Rückgangs der Kerninflationsrate und des anhaltenden Verfalls der längerfristigen Inflationserwartungen stehen die europäischen Währungshüter mit Blick auf die März-Zinssitzung unter erheblichem Handlungsdruck. Um die Marktspekulationen nicht zusätzlich anzufachen, haben sich die Notenbank-Oberen im Hinblick auf weitere geldpolitische Maßnahmen zuletzt zurückhaltend geäußert. Für die anstehende Zinssitzung erwarten wir mindestens eine Senkung des Einlagensatzes um 10 Basispunkte auf minus 0,40%. Ein solcher Schritt ist allerdings von den Marktakteuren bereits vorweggenommen. Vor diesem Hintergrund könnte die EZB mit der Einführung eines zweistufigen Einlagensatz positiv überraschen. Dieser würde es der Notenbank ermöglichen den Einlagensatz tiefer in den negativen Bereich zu drücken und zugleich die negativen Auswirkungen für den Bankensektor zu dämpfen. Mit umfangreicheren Anpassungen des Anleiheankaufprogrammes ist zu dieser Zinssitzung nicht zu rechnen.

Im Zusammenhang mit der turnusgemäßen Überarbeitung der EZB-Projektionen ist hervorzuheben, dass die Stabsmitarbeiter zur März-Zinssitzung erstmals einen Blick bis ins Jahr 2018 wagen. Hier steht vor allem die Frage im Fokus, inwieweit die Notenbank ihr selbst gestecktes Inflationsziel erreichen kann. Es ist davon auszugehen, dass die Projektion der EZB-Stabsmitarbeiter angesichts des erneuten Rohölpreisrückgangs zu Jahresbeginn unter der bedeutenden zwei Prozentmarke verbleibt. Auch der Ausblick für 2016 und 2017 dürfte deutlich nach unten korrigiert werden. Dies würde es den EZB-Oberen erleichtern, die Notwendigkeit weiterer geldpolitischer Maßnahmen zu begründen.

Im Zuge der an die Zinssitzung anschließenden Pressekonferenz muss sich Draghi wohl Fragen dazu stellen lassen, inwieweit der geldpolitische Instrumentenkasten möglicherweise ausgereizt ist, beziehungsweise im Hinblick auf die jüngsten Inflationsdaten überhaupt wirkt. Der Notenbankchef dürfte versuchen diese Bedenken zu zerstreuen und Handlungsfähigkeit und Handlungswillen der EZB hervorheben. Draghi wird in diesem Zusammenhang die Flexibilität des Anleiheankaufprogrammes und die Verfügbarkeit weiterer Instrumente betonen. Die Chancen stehen gut, dass es ihm gelingt, die Märkte zu überzeugen, wobei die Risiken einer erneuten Enttäuschung wie im Dezember weiterhin bestehen.

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