Temporärer Glanz des Goldes

Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis um 17% gestiegen. Goldinvestoren haben im selben Zeitraum 251 Tonnen Gold in Form von physisch hinterlegten ETFs gekauft. Dies entspricht rund 8% der weltweiten jährlichen Minenproduktion. Auslöser hierfür sind sowohl die im Zuge der zunehmenden US-Konjunkturskepsis und der geringen Inflationserwartung fallenden US-Zinsen, die temporäre USD-Schwäche als auch die erhöhte Unsicherheit an den globalen Aktienmärkten. Kurzfristig könnte der Goldpreis noch weiter von der aktuellen Entwicklung profitieren.

Mittelfristig gehen wir aber von einer Umkehr der aktuell für Gold positiven Makrofaktoren und einhergehend von wieder deutlicher fallenden Goldpreisnotierungen aus. So werden unseres Erachtens die US-Zinsen perspektivisch steigen, der US-Dollar erstarken und sich die Wogen an den Aktienmärkten wieder glätten. Die ETF-Anleger werden sich daher spätestens ab der zweiten Jahreshälfte von Gold trennen. Obwohl die Nachfragedynamik bei den Gold-ETFs im weiteren Jahresverlauf zurückgehen wird, heben wir vor dem Hintergrund des erreichten Preisniveaus sowie der sich aufhellenden fundamentalen Ausgangslage unsere 2016er-Goldprognose auf 1.150 USD je Unze an.

So bleibt die Entwicklung der Konsumentennachfrage (Schmuck & Barren & Münzen) in den beiden wichtigsten Nachfrageländern China und Indien dynamisch. In Indien spricht die stabile Konjunkturentwicklung für eine hohe Juweliernachfrage, wenngleich die Dynamik im Vergleich zu 2015 ein wenig nachlassen dürfte. Aber auch in China bleibt unseres Erachtens physisches Gold weiterhin als Anlageprodukt gefragt. Ein weiterer Nachfragetreiber sind die Notenbanken. Sie stocken in den letzten Jahren ungeachtet der Goldpreisentwicklung ihre Reserven auf. Dieser Trend dürfte sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Für 2016 taxieren wir in unserem Angebot- und Nachfragemodell die Gesamtnachfrage daher (über alle Aggregate) auf 4.443 Tonnen (+4,5%).

Die steigende Nachfrage trifft auf ein stagnierendes Angebot. Besonders die Minenproduktion scheint ihren Zenit erreicht zu haben. Hierfür sprechen einerseits die seit 20 Jahren rückläufigen Neufunde an Goldvorkommen und andererseits die in den letzten Jahren unter dem Einfluss fallender Goldpreisnotierungen immens zurückgefahrenen Investitionen (seit 2012: -65%) seitens der Minengesellschaften. Das weltweite Angebot wird in 2016 unseres Erachtens marginal um 0,2% fallen.

Die genannten Faktoren dürften in der Jahresbilanz für 2016 dazu führen, dass der physische Goldmarkt ein Defizit von 195 Tonnen aufweisen wird. Dieser Entwicklung tragen wir mit der oben genannten Anhebung unserer Goldprognose auf 1.150 USD je Unze Rechnung. Für 2017 rechnen wir mit einer weiteren Normalisierung der US-Geldpolitik. Der von uns erwartete Anstieg der Zinsen wird dazu führen, dass die Anleger ihre ETF-Positionen weiter zurückfahren. Daher wird sich der Gold-Nachfrageüberhang 2017 trotz einer stagnierenden Minenproduktion und der robusten Entwicklung der Konsumentennachfrage deutlich auf 69 Tonnen reduzieren, sodass wir den Goldpreis per Ende 2017 wieder spürbar tiefer bei rund 1.000 US-Dollar sehen.

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