Antworten der osteuropäischen Notenbanken auf Preisrisiken könnten unterschiedlich ausfallen

Angesichts der in der Eurozone sowie in den einzelnen EWU-Staaten zuletzt weiter enttäuschend ausgefallenen Preisdaten gilt es unter Marktbeobachtern als ausgemachte Sache, dass die EZB am Donnerstag ihre geldpolitischen Maßnahmen ausweiten dürfte. Zudem haben einige EZB-Vertreter jüngst deutlich gemacht, dass die Zentralbank ihr Pulver noch nicht verschossen hat.

Auch in Osteuropa hat die Deflation Einzug gehalten. Allerdings scheint hier die Gleichung „nachlassender/rückläufiger Preisdruck = lockerere Geldpolitik“ nur bedingt aufzugehen. So machte z.B. der Vorsitzende der rumänischen Notenbank Isarescu jüngst ungeachtet des sich zuletzt wieder verschärfenden Rückgangs der Verbraucherpreise deutlich, dass er bereits für 2016 eine restriktivere Geldpolitik präferiert. Seiner Ansicht nach muss man in die Zukunft blicken und darf hier die drohenden Inflationsgefahren nicht unterschätzen. In Polen scheinen sich die Geldpolitiker hingegen nicht einig zu sein, wie man auf den sich nur zögerlich zurückbildenden deflationären Trend reagieren und vor allem wie man diesen längerfristig einschätzen soll. Während einige hier für ein unverändertes Leitzinsniveau plädieren, gibt es auch vereinzelte Stimmen, welche aktuell eine Senkung oder gar eine Erhöhung der Leitzinsen für angebracht halten. In Ungarn hat die Zentralbank hingegen einen „dovisheren“ Ton angeschlagen und dies obwohl die Konsumentenpreise in einem soliden konjunkturellen Umfeld jüngst derart stark wie zuletzt im Herbst 2013 angestiegen sind. Ihre tschechischen Amtskollegen, denen der Rutsch in die Deflation bislang erspart geblieben ist, werden hingegen nicht müde, vor den drohenden Gefahren zu warnen, und scheinen mit Blick auf die EZB ggf. nicht davor zurückzuschrecken, ebenfalls expansivere Maßnahmen zu ergreifen. Nachdem Osteuropa in der Geldpolitik lange Zeit eine weitgehend gleichgerichtete Marschrichtung mit vergleichbaren Folgen für ihre Währungen eingeschlagen hat, könnten unterschiedliche geldpolitische Impulse 2016 dafür sorgen, dass Leu und Co. zumindest vorübergehend getrennte Wege gehen.

 

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