Trügerische Ruhe in China

Der Abbau der chinesischen Devisenreserven hat sich im Februar erwartungsgemäß verlangsamt. Mit „nur“ noch rund 3.200 Mrd. USD sind die Reserven auf den niedrigsten Stand seit Ende 2011 gefallen, allerdings ist der Abbau geringer als marktseitig erwartet worden war (-30 Mrd. USD) und insbesondere deutlich weniger als in den letzten drei Monaten, als der Rückgang durchschnittlich 98 Mrd. USD monatlich betrug.

So dankbar wir auch dafür sind, dass sich die irrationale Panik um die Zukunft Chinas und seiner Währung vom Januar gelegt hat, müssen wir davor warnen, die Reservezahlen vom Februar zu überinterpretieren oder gar von Entwarnung zu sprechen. Zwar ist unbestreitbar, dass die spekulative Attacke vom Januar abgeklungen ist, und auch die Meldungen im Zusammenhang mit China sind nicht mehr tiefschwarz, allerdings hatte Chinas Notenbank bei ihrer Yuan-Stabilisierung im Februar Beistand, auf den sie sich in den kommenden Monaten nicht mehr wird verlassen können wird.

So war der Monat Februar von „Event Risks“ wie den chinesischen Neujahrsfeiertagen, dem G20-Gipfel in Shanghai sowie dem nahenden Nationalen Volkskongress geprägt, die die spekulativen Kräfte in Deckung gehen ließen. Eine noch erheblichere Rolle dürfte die globale USD-Schwäche gespielt haben, die dem Yuan zwischenzeitlich etwas Luft zum Durchatmen verschafft hatte. Sollte der US-Dollar sich im weiteren Jahresverlauf, wie vom DZ BANK Research erwartet, weiter von seinem temporären Schwächeanfall erholen, wären moderate Kursgewinne auch in USD-CNY naheliegend und nicht zwingend Ausdruck einer wieder aufkeimenden China- Panik.

Wir halten auch weiterhin an unserer Einschätzung fest, dass Chinas Währung in den kommenden Monaten moderate und fundamental begründete Kursverluste bevorstehen dürften. Diese sollten aber in unserem Hauptszenario (keine harte Landung für Chinas Wirtschaft) kein Ausmaß annehmen, dass nach einem Kontrollverlust aussieht. Interventionen zur Glättung von Marktübertreibungen werden uns vermutlich treue Begleiter bleiben; Ausverkaufsphasen wie im Dezember und Januar sind zwar auch künftig nicht auszuschließen, sollten allerdings nicht zum Dauerzustand werden, so dass nach derzeitiger Sachlage auch die Wiedereinführung weitreichender Kapitalverkehrskontrollen nicht opportun sein sollte.

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