EWU-Industrieproduktion: Sondereffekte treiben Produktion

Ungewöhnlich stark präsentiert sich die Industrieproduktion im Euro-Raum zu Jahresbeginn. Mit 2,1 Prozent gegenüber dem Vormonat stieg die Produktion so deutlich an wie seit September 2009 nicht mehr. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der letzten drei Jahre wuchs die Industrieproduktion im Euro-Raum monatlich um +0,1 Prozent. Unterstützung bekam das kräftige Plus dabei besonders von den großen Volkswirtschaften. Vor allem Deutschland lieferte mit 2,9 Prozent ein außergewöhnliches starkes Monatsergebnis. Etwas weniger ausgeprägt, aber ebenfalls stark zeigte sich auch Frankreichs und Italiens Industrie. Lediglich in Spanien ging es leicht abwärts.

Eine kräftigere positive Gegenbewegung in der EWU-Industrieproduktion wurde nach den beiden eher enttäuschenden Vormonaten durchaus erwartet. Das deutliche Plus überraschte dann aber doch, vor allem vor dem Hintergrund des zuletzt doch eher eingetrübten Stimmungsbildes im verarbeitenden Gewerbe. Dabei dürften besonders zwei begünstigende Sondereffekte eine entscheidende Rolle gespielt haben. Zum einen waren die Temperaturen für diese Jahreszeit deutlich zu milde und haben so dem Baugewerbe in vielen Euroländern einen deutlichen Schub verpasst. Zwar fällt der Bau nicht in die Statistik der Industrieproduktion. Es ist aber zu erwarten, dass auch andere Industriezweige indirekt von dem markanten Januar-Plus im Bausektor profitieren konnten. Der entscheidende Sondereffekt dürfte aber die positive Differenz in den Arbeitstagen gegenüber dem Vormonat gewesen sein. Im vergangenen Dezember fielen aufgrund der Lage der Weihnachtsfeiertage und der damit verbundenen besonderen Nutzung von Brückentagen weniger Arbeitstage als im Januar an. Dieser sogenannte Kalendereffekt dürfte sich in allen Industriebereichen wohlwollend ausgewirkt haben. Besonders bezogen auf die Autoproduktion hat dies, historisch gesehen, einen deutlichen Impuls im Fahrzeugbau zur Folge. Dies würde auch das starke Abschneiden in der KfZ-Produktion Deutschland erklären.

Ein „weiter so“ in der EWU-Industrieproduktion ist in den kommenden Monaten indes unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Die oben genannten Sondereffekte fallen im Februar weg und dürften nach dem starken Plus vom Januar eine merkliche negative Gegenbewegung bewirken. Der Rückgang sollte dann aber nicht als der Beginn einer möglichen Konjunkturschwäche gewertet werden. Noch deuten Einkaufsmanagerumfragen und das Wirtschaftsklima auf eine zwar gedämpfte, aber weiterhin expansive Produktionstätigkeit hin.

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