EWU-Portfolioinvestitionen weiterhin im roten Bereich

Die Januar-Portfolioflowdaten waren alles andere als spektakulär: die Eurozone erlitt zwar einen erneuten Kapitalabzug, dieser fiel aber mit 30 Mrd. Euro vergleichsweise harmlos aus. Bemerkenswert ist höchstens, dass dafür dieses Mal vor allem ausländische Investoren verantwortlich waren: sie zogen im Januar 45 Mrd. Euro an Kapital aus der Eurozone ab. Wesentlich dramatischer als die Januar-Daten ist das übergeordnete Bild. Seit April 2015 liegt der Netto-EWU-Portfolioflow nun schon im roten Bereich und das ohne Ausnahme. Insgesamt summiert sich der Kapitalabzug seither auf beeindruckende 415 Mrd. Euro. Zwar weist die Eurozone im gleichen Zeitraum einen Leistungsbilanzüberschuss aus, dieser liegt jedoch mit 280 Mrd. Euro deutlich unter dem Kapitalbilanzdefizit. Als Resultat dessen ist auch die sogenannte „Basic Balance“ (die Summe von Leistungs- und Kapitalbilanz) ins Negative gefallen: über die vergangenen 9 Monate lag sie bei -152 Mrd. Euro und damit auf dem tiefsten Wert seit 2000. Nach einer Ursache für diese Entwicklung muss man nicht lange suchen: seit Anfang 2015 haben inländische Investoren 370 Mrd. Euro an Kapital ins Ausland geschickt und zwar ausschließlich in ausländische Rentenmärkte. Dieser Trend hatte schon 2014 begonnen, aber durch die Entscheidung der EZB ein QE-Programm einzuführen, noch mal deutlich an Dynamik gewonnen. Mit einer baldigen Trendumkehr ist nicht zu rechnen.

 

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