Einkaufsmanager im Euro-Raum: Wachstumsdämpfer in Q1 oder überzeichneter Stimmungsrückgang?

Das Stimmungsbild in der Privatwirtschaft des Euro-Raums konnte sich laut den Ergebnissen der Einkaufsmanagerbefragungen im März aufhellen. Dazu trug vor allem der Optimismus aus dem Dienstleistungsbereich bei. Aber auch das verarbeitende Gewerbe vermeldete immerhin eine kleine Verbesserung. Für den aus beiden Komponenten zusammengesetzten „Composite“-Index bedeutet dies einen Anstieg um +0,7 Punkte auf 53,7 Punkte. Das Märzplus darf dabei aber nicht über die etwas getrübte Stimmungsentwicklung im gesamten ersten Quartal hinwegtäuschen. Durch den Stimmungsrückgang in den ersten beiden Monaten verlor der Einkaufsmanager-Index im Mittel des ersten Quartals -0,7 Indexpunkte gegenüber dem vierten Quartal 2015.

Ähnlich sieht es auch bei den beiden größten EWU-Volkswirtschaften aus. Das Klima in der Industrie und bei den Dienstleistern in Deutschland bewegte sich im März im Vergleich zum Vormonat praktisch nicht von der Stelle. Mit 54,4 Punkten liegt der Composite-Index zwar weiterhin auf einem komfortablen Niveau. Im direkten Quartalsvergleich gegenüber dem vierten Quartal 2015 musste das Stimmungsbarometer mit -0,7 Punkten aber Einbußen hinnehmen.
In Frankreich konnte der Composite-Index dank eines merklich verbesserten Klimas im Dienstleistungsbereich von 49,3 im Februar auf 51,1 Indexpunkte im März zulegen und somit den kontraktiven Bereich unterhalb der Schwelle von 50 Punkten wieder verlassen. Im Quartalsvergleich von Q1 2016 gegenüber Q4 2015 ging es aber auch für diesen Index nach unten. Er verlor einen Punkt und landete bei einem Stand von nur noch 50,2 Punkten.

Steht dem Euro-Raum nun ein schwächeres Wachstum im ersten Quartal bevor? Erste harte Daten für den Januar bekräftigen diese Befürchtungen zumindest nicht. Im Gegenteil: Das Wachstum der Industrieproduktion und beim Bau fiel zu Jahresbeginn außergewöhnlich kräftig aus – auch wenn dies zum Teil durch Sondereffekte bedingt war. Und auch die Einzelhandelsumsätze legten deutlich stärker zu als erwartet. Lediglich beim Außenhandel sah die Januar-Bilanz gemischt aus: Einerseits konnten die Nettowarenexporte saisonbereinigt ausgeweitet werden. Andererseits ging es beim Dienstleistungsbilanzüberschuss einen Gang zurück. Die bisher vorliegenden Daten deuten also darauf hin, dass der Wachstumsmotor des Euro-Raums im ersten Quartal einmal mehr vom Binnenkonsum angeschoben wurde.

Für den Februar erwarten wir, aufgrund der wegfallenden Januar-Sondereffekte, zwar eine schwächere Entwicklung vor allem bei der Industrieproduktion. Im März könnte aber der Dienstleistungssektor von den freien Tagen rund um die Osterfeiertage profitieren und so das Wachstum im Euro-Raum nochmals zusätzlich gestützt haben.

Damit überwiegen unserer Ansicht die positiven Wachstumsfaktoren im ersten Quartal. Der Stimmungsabschwung der letzten Monate unter den Einkaufsmanagern – aber auch anderer Klimaindikatoren für die Privatwirtschaft im Euro-Raum – wirkt daher etwas übertrieben und dürfte die reale Entwicklung nach unten überzeichnet haben. Wir gehen für das erste Quartal weiterhin von einem moderaten Wachstumsverlauf aus, der zumindest das Tempo der beiden Vorquartale erreichen dürfte. Einen Wachstumsdämpfer in Q1 halten wir derzeit für wenig wahrscheinlich.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *