Japan: Tankan-Stimmung in der Industrie eingebrochen

In Japan ist die Stimmung der großen Industrieunternehmen im ersten Quartal dieses Jahres deutlich gesunken. Der Diffusionsindex der Tankan-Umfrage der Bank von Japan ist nun auf nur noch 6 Punkte gesunken, nach einem Wert von 12 im Endquartal 2015. Der aktuelle Indexstand ist hier der schwächste Wert seit Juni 2013, wobei sich die Stimmung im zweiten Quartal unter Umständen noch weiter eintrüben und der „Null-Linie“ bedenklich nahe kommen kann. Darauf deuten jedenfalls die Erwartungswerte hin, die von den großen Unternehmen in der jüngsten Umfrage geäußert wurden. Bei einem Wert von Null wäre der Anteil derjenigen Unternehmen, die sich positiv über ihre Geschäfte äußern, genauso hoch wie der Unternehmen, die über ein schlechtes Geschäftsumfeld berichten und pessimistisch sind.

Japans Großunternehmen im nicht-industriellen Bereich (also Servicesektor, Handel, etc.) äußerten wie schon vor drei Monaten deutlich höhere Stimmungswerte als die Industrie. Aber auch ihr Optimismus zur aktuellen Geschäftslage ging zurück, von 25 auf 22 Punkte. Insgesamt blieb im jüngsten Tankan das Muster erhalten, dass sich große Firmen optimistischer äußern als kleine, und dass der Servicesektor insgesamt ein etwas besseres Umfeld meldet als wiederum die Industrie. Den deutlich negativsten Stimmungswert mit -4 äußerten denn auch zuletzt die ganz kleinen Betriebe des verarbeitenden Gewerbes, während die Kleinbetriebe des Dienstleistungsgewerbes noch auf +4 Punkte kamen.

Diese Tankan-Ergebnisse sind ganz klar ein Rückschlag für die Politik des Premierministers und seine „Abenomics“. Dabei stimmt es bedenklich, dass die aktuellen Geschäftserwartungen der Unternehmen auf eine weitere Talfahrt hindeuten. Der zuletzt so schwache Binnenkonsum spielt hier sicher eine Rolle, ebenso aber auch eine nachlassende Dynamik bei der Ertragsentwicklung, die sich der Tankan-Umfrage zufolge bei einer signifikanten Zahl von Unternehmen quer über alle Sektoren zeigt und die Finanzierung von Neuinvestitionen zu behindern droht. Trotz der niedrigeren Ölpreise und der Nullzinspolitik der Notenbank wird das aktuelle Geschäftsumfeld von allen Beteiligten in Japan weiter als sehr schwierig angesehen.

Für die exportorientierte Industrie kommen sicher auch Faktoren zum Tragen, die ihre Ursache nicht in Japan selbst haben. Zu nennen sind hier etwa die Exporte nach China, die im letzten Jahr nominell deutlich gesunken sind, wobei die Nachfragedynamik auf dem chinesischen Markt auch dieses Jahr wohl erst einmal schwierig bleiben dürfte. Hinzu kommt die Yen-Aufwertung der letzten drei Monate. Japans Wirtschaft ist also im Hinblick auf den Heimatmarkt weiter mit einem Umfeld belastet, das kaum Preissetzungsspielräume nach oben bietet, und wird auf ihren Auslandsmärkten von einem unerwartet festen Yen in ihrer Wettbewerbskraft benachteiligt.

Das dargebotene Stimmungsbild des Tankans impliziert, dass Premierminister Abe unter Umständen gezwungen sein könnte, die geplante zweite Stufe der Mehrwertsteueranhebung zu verschieben. Sie ist für April 2017 geplant. Auch größere Lohnerhöhungen sind in der diesjährigen „Shunto-Runde“ kaum noch wahrscheinlich. In jedem Fall ist mit dem jüngst so trüben Stimmungsbild in Japans Wirtschaft die Wahrscheinlichkeit für ein neues, expansives Fiskalpaket zur Konjunkturstabilisierung in diesem Jahr deutlich gestiegen.

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