EZB-Accounts: Es ginge noch mehr!

Zinsuntergrenze nicht erreicht – Weitere Senkungen durchaus vorstellbar
Die europäischen Währungshüter hatten auf ihrer Zinssitzung am 10. März – mit der Ausnahme von Helikopter-Geld – wahrlich alle geldpolitischen Register gezogen. Neben der umfangreichen Anpassung des Ankaufprogramms wurden der Leitzins und der Einlagensatz gesenkt und neue Langfristender angekündigt.

Aus den gestern veröffentlichten EZB-Accounts geht hervor, dass einige Mitglieder des geldpolitischen Rates sogar noch eine stärkere Zinssenkung erwogen hatten. Außerdem wurde in diesem Zusammenhang auch ein abgestufter negativer Einlagensatz zwar diskutiert, aber im Endeffekt aufgrund der Komplexität in der operationalen Umsetzung vorerst nicht beschlossen. Ein solcher Schritt käme nach unserer Lesart zum Tragen, wenn sich durch das negative Zinsumfeld auch verstärkt negative Effekte für die Bankenlandschaft  abzeichnen. Einen solchen Effekt sieht die EZB aber zurzeit noch nicht und hält daher eine solche Maßnahme  auf dem aktuellen Zinsniveaus noch nicht für notwendig.

Die Äußerungen von Notenbankchef Draghi auf der letzten Pressekonferenz, dass der Einlagensatz für geraume Zeit und über das QE-Programm hinaus auf dem jetzigen Niveau verharren wird, sind also nicht in den Stein gemeißelt. Die Forward Guidance der EZB sieht vor, dass die Zinsen im Zweifel auch noch einmal gesenkt werden könnten. Mit Blick auf die im Protokoll erwähnten Ängste vor Zweitrundeneffekten der momentan niedrigen Inflation besteht also noch weiterer Spielraum in der traditionellen Zinspolitik. Sollten sich die Deflationssorgen bestätigen und sich in absehbarer Zeit keine klaren Tendenzen zu einem Anstieg der Teuerungsrate, insbesondere der Kerninflationsrate, abzeichnen, ist vorstellbar, dass die EZB weitere Zinssenkungen durchaus ernsthafter diskutieren könnte.

Der Spielraum der klassischen Geldpolitik scheint somit noch nicht vollends aufgebraucht. Dennoch liegt der Fokus der Notenbank zukünftig wohl stärker auf unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen. Hier erhofft man sich durch das größere Volumen und die Ankäufe von Unternehmensanleihen sowohl eine Reduzierung der längerfristigen Zinssätze als auch eine Senkung der Kreditmargen.

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