Peking kurbelt die Konjunktur wieder an – offizielles BIP-Wachstum aber leicht schwächer

Chinas Konjunktur hat im Verlauf des ersten Quartals dieses Jahres wieder an Schwung gewonnen – dies ist die entscheidende Botschaft der Konjunkturdaten, die heute Morgen aus Peking gemeldet wurden. Aus den offiziellen Zahlen zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) lässt sich diese Einschätzung zwar nicht ablesen. Sie zeigen mit einer Wachstumsrate von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach 6,8 Prozent im Schlussquartal 2015 eine weitere Abschwächung der Wachstumsdynamik und Fortsetzung des abwärts gerichteten Wachstumspfads. Allerdings gelten die Werte schon seit geraumer Zeit als politisch geschönt und überhöht, das tatsächliche Wachstum dürfte zeitweise um einiges darunter gelegen haben. Mit der aktuellen Entwicklung scheint sich die Lücke zwischen dem offiziell ausgewiesenen und dem tatsächlichen Wachstum aber wieder etwas eingeengt zu haben. Darauf deutet zumindest ein von uns erstellter Wachstumsindikator für China hin, der in den letzten drei Monaten deutlich gestiegen ist und sich den offiziellen Wachstumsraten wieder angenähert hat.

Dazu beigetragen hat vor allem eine sichtlich lebhaftere Entwicklung in der Industrie im März, die sich bereits angesichts einer deutlichen Stimmungsaufhellung abgezeichnet hat und vor allem auf staatliche Maßnahmen zurückzuführen sein dürfte. Auf dem Nationalen Volkskongress Anfang März hatte Ministerpräsident Li Fiskalstimuli angekündigt und deren baldige Umsetzung in Aussicht gestellt. Sie wurden offenbar noch schneller angestoßen als erwartet, denn die staatliche Investitionstätigkeit hat bereits in den ersten Monaten des Jahres einen kräftigen Sprung gemacht und ihr Wachstum von 10 auf über 20 Prozent (ggü. Vorjahr) mehr als verdoppelt. Auch der Abschwung beim Wohnungsbau hat zuletzt ein Ende gefunden, die Bautätigkeit hat sich sichtlich erholt.

Bereits die Mitte der Woche erschienenen Außenhandelszahlen hatten Hoffnungen auf eine Kehrtwende der chinesischen Konjunkturentwicklung geweckt. Nach monatelangen Rückgängen hatte das Wachstum der Exporte im März erstmals wieder deutlich im Plus gelegen. Hier allerdings muss „Wasser in den Wein geschüttet“ werden: Auch wenn sich die Umfragewerte zur Auftragslage der Exportunternehmen und zur Importtätigkeit zuletzt ebenfalls deutlich verbessert haben, hat der Schwung im Außenhandel noch längst nicht so kräftig zugelegt, wie die jüngsten Zahlen auf den ersten Blick vermuten lassen. Vielmehr haben relativ schwache Werte vom März 2015, vor allem wegen des kalendarisch spät gelegenen Neujahrsfestes, die aktuellen Wachstumsraten überzeichnet. Hier ist für den laufenden Monat April schon wieder mit Rückschlägen zu rechnen, die für Enttäuschung sorgen könnten.

Die jüngsten Werte zeigen aber: Die chinesische Regierung ist weiterhin in der Lage, die Konjunktur mit staatlichen Maßnahmen effektiv zu stabilisieren, eine „harte Landung“ der chinesischen Wirtschaft muss daher vorerst nicht befürchtet werden. Dies macht auch die aktuelle Prognoserevision des Internationalen Währungsfonds (IWF) deutlich, der den Wachstumsausblick für China aufgrund der angekündigten Fiskalstimuli für dieses und nächstes Jahr leicht erhöht hat. Aber auch wenn die Maßnahmen für den kurzfristigen Konjunkturausblick positiv zu werten sind – sie sind letztlich ein erneuter Rückfall in alte Muster Pekings, dem Wachstum mit schuldenfinanzierten Investitionen unter die Arme zu greifen. Dieser Impuls wird aber schon bald wieder an Schubkraft verlieren, während das übergeordnete Reformziel, industrielle Überkapazitäten zu reduzieren und die Investitionslastigkeit der Wirtschaft zu verringern, darunter leidet. Hält Peking an den Reformen fest, wird dies das Wachstum weiter drosseln. Wir belassen unsere Prognose deshalb unverändert: Das Wirtschaftswachstum wird sich bis Ende nächsten Jahres weiter verringern und nach offiziellen Werten nur noch 6 Prozent betragen.

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