Rohöl: Doha-Gipfel gescheitert! Geopolitische Überlegungen verhindern durchaus möglichen Kompromiss

Das Treffen der großen Rohölexporteure von OPEC und Non-OPEC in Doha ist am Sonntag (17.04.) nach stundenlangen Verhandlungen gescheitert. Somit wird es – zumindest auf absehbare Zeit – zu keiner Deckelung der Rohölproduktion der beteiligten Nationen kommen, was den Rebalancierungs-Prozess des nach wie vor mit einem Überschussangebot kämpfenden Rohölmarktes zeitlich strecken dürfte. Der Rohölpreis reagierte auf die enttäuschenden Nachrichten aus Doha mit einem Abschlag von rund 2 USD auf 41 USD.

Alle Gesprächsteilnehmer bemühten sich im Nachgang des Doha-Treffens um verbale Schadensbegrenzung. So sprach Russlands Energieminister Alexander Novak davon, dass das Doha-Treffen auch ohne den Abschluss einer Vereinbarung ein bedeutendes Ereignis für die Zusammenarbeit von OPEC und Nicht-OPEC darstelle, zumal die Tür für weitere Zusammenkünfte in keiner Weise geschlossen sei. Schon Anfang Juni (im Rahmen des nächsten ordentlichen OPEC-Treffens in Wien) würden die Gespräche fortgesetzt.

Ausschlaggebend für das Scheitern des Produzenten-Meetings waren letztlich die zu starren Haltungen des Iran und insbesondere Saudi-Arabiens, deren geopolitische Auseinandersetzungen um die regionale Vorherrschaft im Mittleren Osten zunehmend in den Vordergrund treten und ökonomisch sinnvolle Kompromiss-Optionen verhindern.

Gerade vor dem Hintergrund der außergewöhnlichen medialen Öffentlichkeit der Produzenten-Zusammenkunft hätte das gestrige Doha-Treffen eigentlich ein flammendes Signal für die Handlungs- und Kooperationsfähigkeit der OPEC- und Non-OPEC-Big-Player sowie der Startschuss für einen sich nunmehr beschleunigt balancierenden Rohölmarkt werden können (sollen). Stattdessen ist daraus durch das Scheitern der „Freeze-Gespräche“ ein unschönes Fanal für die Unfähigkeit zur Erreichung eines niedrig hängenden Kompromisses und die zunehmende Politisierung des Rohölmarktes geworden.

Wir sehen drei unmittelbare Folgen aus dem gescheiterten Doha-Meeting: Erstens dürfte Saudi-Arabien die Mitte Februar mit Russland, Katar und Venezuela ausgehandelte Produktionsbegrenzung auf dem Januar-Niveau als nicht mehr existent ansehen und seine Produktion zumindest über die Sommer-Monate auf ~10,5 mbd anheben. Zweitens gehen wir von einer substanziellen Verschlechterung der für die kurzfristige Preisentwicklung sehr bedeutsamen Marktstimmung aus, die u.a. in einer spürbar sinkenden Netto-Long-Position der institutionellen Großanleger ihren Ausdruck finden sollte. Drittens dürfte der kurzfristig aufkommende Druck auf die Rohölpreise die Hochkostenanbieter in den USA, Brasilien, China, Kanada, Mexiko & Co. zu weiteren Output-Reduktionen zwingen.

Das gescheiterte Doha-Meeting vom Wochenende wird den Rohölpreis unseres Erachtens nur kurzfristig belasten. An unserem mittelfristigen Bild eines sich – vor allem durch den Rückgang der Non-OPEC-Produktion – zunehmend ausbalancierenden Rohölmarkt ändert sich zunächst einmal nichts.

 

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