Bank of Japan übt sich in Zurückhaltung

Die BoJ hat auf ihrer jüngsten Sitzung keine zusätzlichen expansiven Maßnahmen beschlossen und damit nicht nur das Gros der Marktteilnehmer enttäuscht, sondern auch dem Yen spürbaren Auftrieb verliehen. Dollar-Yen steuerte zuletzt auf 108 JPY und damit auf die in den vergangenen Wochen verzeichneten Tiefststände zu. Der Euro verlor gegenüber der japanischen Landeswährung ebenfalls kräftig.

Zur Begründung der Entscheidung nannte Notenbankchef Kuroda, dass die Wirkung des negativen Einlagesatzes zunächst beobachtet werden solle. Zudem seien die Beschlüsse vom Januar bereits vorsorglich für auftretende Risiken gefasst worden. Sichtlich bemüht, die expansive Haltung der Zentralbank zu betonen, hob Kuroda außerdem die grundsätzliche Bereitschaft hinsichtlich weiterer Maßnahmen hervor. Grenzen für eine zusätzliche geldpolitische Expansion sehe er nicht. Die jüngste Kritik am negativen Einlagesatz ändere hieran nichts, so der Zentralbankvorsitzende weiter.

An den fundamentalen Gegebenheiten in Japan dürfte es sicherlich nicht gelegen haben, dass sich die BoJ in Zurückhaltung geübt hat. Dies haben die kurz vor der Entscheidung veröffentlichten Konjunkturdaten erneut verdeutlicht. So fiel die Inflationsrate erstmals seit Mai 2013 wieder in den negativen Bereich. In der Kernrate ohne frische Nahrungsmittel ging das Preisniveau um 0,3% (J/J) zurück, so deutlich wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Für eine Enttäuschung sorgten zudem die Ausgaben der privaten Haushalte, die mit -5,3% (J/J) im März einen unerwartet deutlichen Einbruch erlitten.

Die jüngste Zinsentscheidung führt zwar einmal mehr vor Augen, dass die Bank of Japan immer für eine Überraschung gut ist, scheint sie doch wenig Interesse an einer transparenten Kommunikation im Vorfeld der Sitzungen zu haben. Es ändert jedoch nichts daran, dass der Druck auf die japanische Geldpolitik weiterhin hoch bleibt. Sollte der Preisdruck nicht zeitnah anziehen, und danach sieht es wahrlich nicht aus (selbst die Währungshüter haben das Erreichen ihres Inflationsziels auf Anfang 2018 verschoben), bleiben zusätzliche Schritte der BoJ auf der Agenda. Für die nächsten Sitzungen gilt daher: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

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