EWU: BIP-Wachstum in Q1 verdoppelt – Inflationsrate aber wieder in negativem Terrain

Das Wirtschaftswachstum der Europäischen Währungsunion hat sich im ersten Quartal 2016 gegenüber dem Schlussquartal 2015 beschleunigt. Nach einem Plus von 0,3 Prozent verdoppelte sich gemäß heutiger Schnellschätzung die Zuwachsrate auf +0,6 Prozent im ersten Quartal 2016. Mit Beginn dieses Jahres ist die europäische Statistikbehörde Eurostat dazu übergegangen, eine erste Schätzung zur Wirtschaftsleistung rund 30 Tage nach Ablauf des jeweiligen Berichtsquartals zu veröffentlichen. Bislang hat Eurostat eine erste Schätzung erst nach rund 45 Tagen veröffentlicht. Damit stehen ab jetzt zeitgleich Wachstumszahlen für die großen Wirtschaftsräume zur Verfügung, denn für die USA wurden schon gestern erste Quartalszahlen vermeldet.

Das stärkere Wachstum in der Währungsunion kommt nicht ganz überraschend. Auch wenn Eurostat noch keine detaillierte Aufgliederung des Wachstums mitgeliefert hat, lassen sich aus den vorliegenden Konjunkturindikatoren und den Informationen aus einigen Mitgliedsländern einige Rückschlüsse ziehen. Denn die vorliegenden Zahlen zur EWU-Industrieproduktion und zur Entwicklung im Bausektor haben schon eine höhere Gangart angedeutet. Auf der Nachfrageseite lassen ordentliche Umsätze im Einzelhandel auf erneut gestiegene private Konsumausgaben schließen. Der Außenbeitrag dürfte dagegen kaum Wachstumsimpulse geliefert haben, da die Nettoexporte im bisherigen Quartalsverlauf leicht gesunken sind.

Auch einige Mitgliedsländer der EWU haben schon erste Schätzungen zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal veröffentlicht und gute Ergebnisse geliefert. Spanien vermeldete erneut eine Wachstumsrate von +0,8 Prozent wie schon im Vorquartal. Aufwärts ging es dagegen in Frankreich mit +0,5 Prozent und Österreich mit +0,6 Prozent, nach jeweils +0,3 Prozent im Vorquartal. Die belgische Volkswirtschaft legte dagegen nur um vergleichsweise schwache +0,2 Prozent zu. Das war deutlich weniger als im Schlussquartal 2015. Insgesamt startet die Wirtschaft der Währungsgemeinschaft mit den heutigen Zahlen erfreulich in das Jahr 2016.

Allerdings bleibt die Inflationsrate weiter niedrig. Das zeigt, wie fragil trotz des besseren Wachstums die Lage ist und dürfte die Sorgenfalten bei der EZB kaum mindern. Die heutige Schnellschätzung für den April ergab einen Rückgang der Inflationsraten von 0,0 auf -0,2 Prozent. Einmal mehr belastete der niedrige Ölpreis, denn die Preise für Energiegüter sanken im Jahresvergleich um -8,6 Prozent. Auch der Preisauftrieb bei den Dienstleistungen blieb unterdurchschnittlich, da nach den Osterfeiertagen im März gerade in den Segmenten Beherbergung, Gastronomie und Transport im April die Preise unterdurchschnittlich zugelegt haben dürften. Noch immer spiegelt sich die konjunkturelle Erholung nicht in steigenden Verbraucherpreisen wider. Auf der Nachfrageseite verhindert die hohe Arbeitslosenquote von mehr als 10 Prozent, dass sich Preisdruck über Löhne entfalten kann. Wenn zusätzlich wie schon seit mehreren Quartalen niedrige Rohstoffpreise wie das Rohöl auf die Verbraucherpreise drücken, kann die Inflationsrate kaum steigen. Das kann im Moment auch die übermäßige Liquiditätsversorgung der EZB nicht verhindern. Wenn die Konjunktur weiter an Kraft gewinnt und der belastenden Ölpreiseffekt wegfällt, dann dürfte in der zweiten Jahreshälfte 2016 die Inflationsrate in der EWU wieder allmählich ansteigen.

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