US-Arbeitsmarkt: Verhaltener Schwung zum Quartalsbeginn, aber Arbeitslosigkeit weiter rückläufig

Im April ist in den Vereinigten Staaten die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft nur um 160.000 Personen gestiegen. Die Beschäftigungsdynamik blieb damit hinter den Erwartungen zurück. Im April pausierte der Stellenaufbau in der Bauwirtschaft und auch der Einzelhandel enttäuschte. Als weiterer bremsender Sektor kann noch der öffentliche Bereich ausgemacht werden, dort wurden gegenüber dem Vormonat 11.000 Stellen gestrichen. Das verarbeitende Gewerbe stockte hingegen erstmals seit Januar die Beschäftigung wieder etwas auf, vor allem der Automobilesektor sorgte für positive Impulse. Trotz der schwachen Entwicklung beim Einzelhandel liefen die Dienstleistungsunternehmen insgesamt erneut als Jobmotor vorne weg und schufen allein mehr als 170.000 neue Arbeitsplätze. Beim Wachstumsgaranten „unternehmensnahe Dienstleistungen“ legte der Schwung im Vergleich zu den Vormonaten sogar noch deutlich zu. Aber auch im Gesundheitsbereich lief der Beschäftigungsmotor weiter rund.

Auch die Daten zur Arbeitslosigkeit dämpfen die Sorgen um die Dynamik am US-Arbeitsmarkt. Zum einen notierte die Arbeitslosenquote unverändert auf dem niedrigen Niveau von 5,0 Prozent, zum anderen sank die Zahl der Arbeitslosen trotz des verhaltenen Stellenaufbaus leicht und lag dadurch nur bei 7,9 Millionen. Dahinter steckt erfreulicherweise ein recht deutlicher Rückgang bei den Langzeitarbeitslosen. Die Zahl der erst seit weniger als fünf Wochen Arbeitssuchenden stieg zwar an, aber dies ist der kräftigen Ausweitung des Arbeitskräfteangebotes im ersten Quartal geschuldet: Immerhin wurde eine Steigerung um 1,4 Millionen verzeichnet. Die Rückkehr von Personen, die während der Krise den Arbeitsmarkt enttäuscht verlassen hatten, spielt also immer noch eine Rolle. Teilweise haben Neu-Einsteiger ihre Ausbildung oder ihr Studium durch weitere Hochschulbesuche oder andere Zusatzausbildungen verlängert, aber auch viele andere Arbeitnehmer haben die Zeit der angespannten Arbeitsmarktlage für eine Weiterqualifizierung genutzt. Derzeit ist die Beschäftigungsdynamik groß genug, um auch diese Personen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Da die Arbeitssuche aber nicht bei allen unmittelbar erfolgreich ist, verläuft der Rückgang der Arbeitslosenquote in diesem Jahr langsamer als im vergangenen Jahr. Im Jahresdurchschnitt erwarten wir eine Quote von 4,7 Prozent, die damit erstmals seit dem Jahr 2007 unter der Fünf-Prozent-Marke liegt. Trotz des zuletzt eher verhaltenen Stellenaufbaus schreitet der Rückgang der Arbeitslosigkeit in den USA zügig voran, dies zeigt eine inoffizielle Arbeitslosenquote, bei deren Berechnung auch die „arbeitsmarktnahen Personen“ erfasst werden. Diese Quote notierte zuletzt bei 9,7 Prozent und ist seit April 2015 um 1,1-Prozentpunkte gesunken. Zum Vergleich: Die offizielle Arbeitslosenquote ist seit letztem Dezember nicht mehr gesunken und zeigt seit April 2015 nur einen Rückgang um 0,4-Prozentpunkte. Die verdeckte Arbeitslosigkeit wird hierbei ja nicht berücksichtigt.

Im laufenden und in den kommenden Monaten rechnen wir wieder mit einer stärkeren Beschäftigungsdynamik. Darauf weisen zum einen die jüngsten Wirtschaftsumfragen hin, zum anderen dürfte sich in der Bauwirtschaft der Stellenaufbau fortsetzen und wieder für Schub sorgen. Zunächst dürfte die große Zahl an Rückkehrern noch eine stärkere Lohndynamik verhindern, in der zweiten Jahreshälfte sollte der Lohndruck jedoch anziehen.

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