Globaler Milchmarkt: Weltmarktpreis beeinflusst europäisches und deutsches Preisniveau

Die EU ist global der mit Abstand größte Milcherzeuger und gleichzeitig hinter Neuseeland der zweitwichtigste Exporteur von Milchprodukten. Daher ist der Exportmarkt und damit die Entwicklung des Weltmarktpreises besonders wichtig für Europa. Da Europa am Exportmarkt direkt mit anderen wichtigen Wettbewerbern, wie Neuseeland und USA, konkurriert, schlagen Weltmarktpreisveränderungen zeitnah auf das europäische und damit auch auf das deutsche Milchpreisniveau durch.

Der Weltmarkt ist aktuell mit Milch überversorgt. Der Milchverbrauch wächst langsamer als das entsprechende Angebot. Die Preise für Butter, Käse und Co. befinden sich daher seit nunmehr 2013 in einer ausgeprägten Abwärtsbewegung.

In den wichtigen Erzeugerländern wird immer mehr Milch gemolken. Nicht nur die positive Entwicklung in Neuseeland und den USA ist hier zu nennen, sondern auch der dynamische Anstieg der erzeugten Milchmenge in der EU. Nach Wegfall der Milchquote im April 2015 scheint sich dieser Prozess nochmal beschleunigt zu haben. In Europa vollzieht sich derweil aber auch ein Strukturwandel auf Erzeugerebene. Die einzelnen milcherzeugenden Betriebe werden immer größer und können daher auch notwendige Investitionen schneller vorantreiben als kleinere Milchbauern. Steigende Investitionen in Technologie, die sich in Produktivitätsgewinnen ausdrücken, aber auch Kapazitätserweiterungen führen dazu, dass sich der Trend einer anziehenden EU-Milcherzeugung in den nächsten Jahren wohl fortsetzt.

Die dynamisch wachsende Angebotsseite trifft auf dem Weltmarkt auf eine verhaltene Importnachfrage wichtiger Marktteilnehmer, wie China, Russland und Saudi-Arabien. Im Reich der Mitte verlangsamt sich nach einem sehr deutlichen Anstieg in den letzten Jahren der Verbrauch an Milchprodukten. Zudem fällt gerade für Europa mit Russland ein wichtiger Milchprodukt-Abnehmer aufgrund des im August 2014 verhängten Importstopps für Lebensmittel vollständig aus. Aber auch die erdölexportierenden Länder leiden wegen des reduzierten Ölpreisniveaus unter rückläufigen Einnahmen. Dies äußert sich ebenfalls in einem geringeren Bedarf an Milchprodukten.

Auf dem Weltmarkt ist nach Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) davon auszugehen, dass sich der Angebotsüberhang an Milchprodukten im laufenden Jahr zwar etwas verringert, aber immer noch relativ hoch bleibt. 

In Europa ist hingegen nicht mit einem einsetzenden Abbau des Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage zu rechnen. Da der Pro-Kopf-Milchverbrauch und das Bevölkerungswachstum stagnieren, wird die Milchnachfrage in Europa zukünftig kaum steigen. Die weiter steigende Menge an gemolkener Milch muss also über den Kanal des Außenhandels auf den Weltmarkt abfließen. Da dieser Kanal aber durch den russischen Importstopp und die rückläufige chinesische Nachfragedynamik verstopft ist, wird sich die Überversorgung in Europa in den nächsten Jahren nicht abbauen können und die Preise weiterhin tief bleiben. 

Als Reaktion auf die Überversorgung ist der Einzelhandel in Deutschland, im Besonderen die Lebensmittel-Discounter, in der Lage, die Milchpreise weiter zu senken. So hat beispielsweise Aldi und sein kleinerer Konkurrent Norma in der letzten Woche den Preis für ein Liter frische Vollmilch von 59 auf 46 Cent gesenkt. Um dieser Abwärtsspirale des Milchpreises entgegen zu wirken, hat die Europäische Kommission im April dieses Jahres eine Direktive verabschiedet, die es in der EU ermöglicht, eine freiwillige Mengenbegrenzung auf Erzeugerebene zu beschließen. Diese Direktive muss aber noch in nationale Gesetze umgesetzt werden. Aus unserer Sicht kann die freiwillige Mengenbegrenzung nur erfolgreich sein, wenn sich Erzeuger, Molkereien und der Einzelhandel auf ein gemeinsames Prozedere verständigen. Am Ende des Tages muss sich aber auch der Konsument darüber im Klaren sein, welche Auswirkungen ein weiter fallender Milchpreis auf kleinere Erzeuger hat und wieviel er bereit ist, für qualitativ hochwertige Milch zu zahlen.

 

 

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