Was wäre, wenn die Briten für den „Brexit“ stimmen?

Wenn sich die britische Bevölkerung am 23. Juni mehrheitlich für einen Austritt Großbritanniens aus der EU, den sog. „Brexit“, entscheiden sollte, hätte dies unserer Ansicht nach per Saldo negative Auswirkungen auf die britische Wirtschaft. Der eigentliche Austritt des Landes würde zwar erst frühestens in zwei Jahren erfolgen, doch bereits in der Interimsphase ist mit konjunkturellen Belastungen zu rechnen, die beträchtlich ausfallen könnten. Auch das Wirtschaftswachstum in Deutschland und im Euroraum (EWU) würde in Mitleidenschaft gezogen, genauso wie die Preisentwicklung an den jeweiligen Häusermärkten.

In unserer aktuellen Konjunkturprognose für dieses und das kommende Jahr unterstellen wir, dass die britische Bevölkerung den „Brexit“ letztendlich ablehnt. Was aber wäre, wenn sie dies nicht tun sondern mehrheitlich doch für den „Brexit“ stimmen? Wir haben Alternativszenarien für unsere Konjunkturprognosen 2016/17 für Großbritannien, Deutschland und die EWU formuliert. Für den Fall, dass das Referendum Ende Juni zugunsten des „Brexit“ ausgeht, haben wir zwei Szenarien für die wahrscheinlichen Anpassungsreaktionen unterschieden – ein „glimpfliches“ und ein „Krisen“-Szenario.

Das Wachstum in Großbritannien würde primär von sinkenden Investitionen belastet. Dabei spielt der hohe Anteil an Auslandsinvestitionen eine entscheidende Rolle, denn Großbritannien würde mit dem bevorstehenden Verlust des uneingeschränkten Binnenmarktzugangs einen wichtigen Standortvorteil verlieren. Auch Geschäftsverlagerungen im Vorfeld des EU-Austritts sind nicht auszuschließen. Betroffen wären vor allem der Finanzsektor und die Industrie.

Im „glimpflichen“ Szenario würden die Unternehmen ihre Investitionsentscheidungen aber schleichend an die neuen Rahmenbedingungen anpassen. Das britische Wirtschaftswachstum würde sich nach dem Referendum bis zum Ende des Prognosehorizonts langsam abschwächen, bliebe aber insgesamt positiv. Angesichts der relativ hohen Bedeutung Großbritanniens als Absatzmarkt würde die Exportkonjunktur Deutschlands und der anderen EWU-Mitgliedsländer deutlich ausgebremst, die gesamtwirtschaftlichen Wachstumsverluste in diesem und im kommenden Jahr wären aber begrenzt. Am britischen Häusermarkt würde der Preisanstieg im kommenden Jahr allerdings wesentlich geringer ausfallen als in unserer bisherigen Prognose angenommen.

Das „Krisen“-Szenario unterstellt, dass die Finanzmärkte mit Turbulenzen auf den Volksentscheid reagieren werden. In Großbritannien könnten Währungsabwertung, Kursverluste an den Renten- und Aktienmärkten sowie der abrupte Vertrauensverlust ausländischer Investoren einen Teufelskreis bilden, der zu einer Schockstarre im Finanzsektor führt und sich rasch auf die Realwirtschaft überträgt. Die britische Wirtschaft dürfte Ende 2016 in die Rezession abrutschen. Der britische Häusermarkt würde eine deutliche Korrektur vollziehen. Auch die Konjunktur in Deutschland und der EWU wäre von dem Wachstumseinbruch in Großbritannien ungleich stärker getroffen. Kritisch wäre zudem, wenn mit dem „Brexit“-Votum die Frage des zukünftigen Zusammenhalts der EU und der EWU wieder stärker in den Fokus gerät und eine eigenständige Krisendynamik entwickelt. Wir rechnen für diesen Fall mit einer leichten Rezession um die Jahreswende 2016/17. Der Preisanstieg an den Wohnungsmärkten würde stark gedämpft, bliebe aber positiv.

 

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2 Kommentare

fritz ressle

waere ich stimmberechtigter englaender, wuerde ich mit heissem europaeischen herz
den austritt waehlen, im interesse einer EU-sanierung, die drgd notwendig wird.
mit 28 EU-laender kanns nicht funktionieren, laender mit den unterschiedlichsten
staatlichen niveaus von rumaenien bis dtschld oder skandinavien. wer hat das denn ver-
brochen, bestimmt unser handwerklich fehlgesteuerter HERR VERHEUGEN .
diese fusskranke EU humpelt zur zt v einer krise zur naechsten u wo keine probleme
sind, macht sich diese schlafmuetzen-EU welche, wie z zt mit der EZB u der nullzins-
wirtschaft. da bleibt mit der volkswirtschaftliche atem stecken. wurd das gut gehen !!
musste so ein abenteuer sein .???

schade dass diese EU von so viel unkundigen fuehrungskraeften gefuehrt wird, viele davon sitzen
da in berlin und sind stolz auf den EU-weit ungeliebten ,, dtsch sonderweg ,,
wir brauchen kein germanisiertes (deutsches) europa!!!

Jo mei, unser Fritz hat die Welt verstanden.So einfach ist das mit Europa! Ein heißes Herz reicht für eine Entscheidung dieser Tragweite? Und wieso tut sich die Resi so schwer damit, das ohne schwere Schäden für ihr Land zu organisieren? Sie hat ja nicht mal die Kraft, für den Brexit das besetzte Nordirland aufzugeben.

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