Konjunkturprogramm in China: Startschuss für eine Rallye der Metallpreise?

Vergangene Woche hat die chinesische Führung ein massives Konjunkturprogramm beschlossen. In den nächsten drei Jahren sollen 4,7 Billionen Yuan (632 Mrd. Euro) in Infrastrukturprojekte investiert werden. Nominal ist das aktuelle Programm sogar größer als das 2008 als Antwort auf die globale Finanzkrise geschnürte Konjunkturpaket im Umfang von 4,0 Billionen Yuan.

Die staatliche Planungs- und Reformkommission Chinas (NDRC) will vor allem den Ausbau und die Modernisierung des Straßen- und Schienennetzes vorantreiben. Im Vordergrund stehen die Erweiterungen der Hochgeschwindigkeitsstrecken und der Ausbau der Städteverbindungen.

Die Preise für Industriemetalle, die verstärkt bei der Umsetzung von Infrastrukturprojekten benötigt werden, hätten eigentlich von einer solchen Nachricht profitieren müssen. Schließlich entfällt in etwa die Hälfte der globalen Nachfrage nach Industriemetallen auf das „Reich der Mitte“. Eine solche Preisreaktion fiel aber aus. Im Gegenteil sind die Preise für Aluminium, Kupfer und Co. In den letzten Tagen sogar gefallen.

Für den Industriemetallmarkt ist es nicht neu, dass die chinesische Regierung umfangreiche Infrastrukturprojekte umsetzen will. So hat man bereits im März bei der Verabschiedung des neuen 5-Jahresplanes des Volkskongresses ausführlich darauf hingewiesen. Da schon im ersten Quartal 2016 die Investitionen in Infrastrukturprojekte recht deutlich um 20% angestiegen sind, gehen einige Marktbeobachter sogar davon aus, dass das beschlossene Programm schon lange in der chinesischen Budgetplanung verankert ist. Aus unserer Sicht erklärt dies auch die ausbleibende Preisreaktion der Industriemetalle.

Im bisherigen Jahresverlauf haben sich die Preise für Industriemetalle kaum verändert. Der LME-Index, der alle an der Londoner Metallbörse gehandelten Metalle abbildet, ist um gut 1,5% gestiegen. Zwar ist zu beobachten, dass China die Metallimporte stark erhöht, jedoch fließt das Material primär in die Lagerhäuser und wird nicht wirklich verbraucht. Die angestiegenen Lagerbestände fungieren derweil als Puffer für zukünftig, auch durch das Konjunkturprogramm dynamisierte, Nachfragesteigerungen. Daher halten wir das Preispotenzial bei den Basismetallen im weiteren Jahresverlauf für begrenzt.

Zu beachten ist auch, dass der Vergleich mit dem 2008er-Programm ein wenig hinkt, da dieses real betrachtet (um Preiseffekte bereinigt) größer war und vollständig in 2009 umgesetzt wurde. Das aktuelle Programm hingegen ist über drei Jahre gestreckt und trifft auf vergleichsweise hohe Industriemetallbestände.

 

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