Aktuelle VR Mittelstandsumfrage: Investitionsbereitschaft so hoch wie nie zuvor

Nach dem schwachen Ergebnis vom Herbst vergangenen Jahres hat sich die Stimmung im deutschen Mittelstand in diesem Frühjahr erholt. Die Unternehmen blicken wieder zuversichtlicher auf das Jahr 2016. Die Stimmungsverbesserung der kleinen und mittleren Unternehmen ist insbesondere auf deutlich gestiegene Geschäftserwartungen zurückzuführen. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Antworten liegt mit aktuell 27,3 Punkten deutlich über dem Ergebnis von vor einem halben Jahr (16,9 Punkte). Aber auch die Einschätzung der aktuellen Lage hat sich gegenüber dem letzten, ohnehin bereits sehr guten Ergebnis nochmals leicht verbessert und liegt mit einem Antwortsaldo von 69 Punkten weit über dem langjährigen Mittelwert.
Die Investitionsbereitschaft der Mittelständler stieg sogar auf ein neues Allzeithoch. So planen 81 Prozent der Befragten im nächsten halben Jahr in ihr Unternehmen zu investieren. Im Herbst waren es noch weniger als 78 Prozent. Zudem beabsichtigen die Mittelständler einen weiteren Personalaufbau. In den nächsten sechs Monaten will immerhin jedes vierte Unternehmen Mitarbeiter einstellen.

Der Mittelstand in Deutschland profitiert aktuell davon, dass ein beträchtlicher Teil der Unternehmen zu den besonders inlandsorientierten Branchen Bau, Handel und Dienstleistungen zählt. Diesen Unternehmen kam die anhaltende Konsumlaune der privaten Haushalte zugute. Der private Konsum hat im vergangenen Jahr so stark zugelegt wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Da sich die Rahmenbedingungen für die Konsumenten auch 2016 kaum ändern, dürfte die Kauflaune der privaten Haushalte weiter anhalten. Gleiches gilt für die Nachfrage nach Immobilien, die angesichts der niedrigen Zinsen als lohnende Alternative zu Geldanlagemöglichkeiten erscheinen. Unterstützt wird die positive Einschätzung zudem von den vergleichsweise geringen Energiepreisen, die auch den Unternehmen helfen, Kosten zu sparen.

Allerdings gibt es nicht nur positive Resultate. So wird der Facharbeitermangel mittlerweile von fast zwei Dritteln als aktuelles Problem betrachtet, und die Auslandsaktivität der mittelständischen Unternehmen ist in diesem Frühjahr zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen. Mittlerweile sind „nur“ noch 53,7 Prozent der befragten Unternehmen im Ausland geschäftlich engagiert. Vor einem Jahr waren es noch 57,4 Prozent. Verantwortlich für diesen Rückgang dürfte die Schwäche der Schwellenländer sein. Vielen Mittelständlern bereitet die anhaltende Rezession in Brasilien und Russland sowie die weniger dynamische wirtschaftliche Entwicklung in China Sorgen. Zumal diese Schwäche bereits 2015 merkliche Auswirkungen auf die deutschen Exporte zeigte: So sind etwa die Ausfuhren deutscher Güter nach China im vergangenen Jahr um rund vier Prozent zurückgegangen.
Auch ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union bereitet den mittelständischen Unternehmen in Deutschland Sorgen. So sehen sich lediglich 28 Prozent der Befragten von einem solchen „Brexit“ nicht betroffen. Fast ein Drittel befürchtet dagegen zunehmende bürokratische Hemmnisse und für mehr als jeden fünften Mittelständler machen Zölle Großbritannien als Absatzmarkt sogar uninteressant.

Insgesamt braucht man sich um den Mittelstand aber derzeit keine Sorgen zu machen. Die Unternehmen sind krisenfest aufgestellt und zeigen sich gut gerüstet für die nähere und fernere Zukunft. Dieses Bild vermitteln die Ergebnisse unserer aktuellen Mittelstandsstudie, die zum vierten Mal vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), von der WGZ BANK AG und von der DZ BANK AG gemeinsam erstellt wurde.

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