Gute Einkommensaussichten für die privaten Haushalte in Deutschland

Die Einkommensentwicklung der privaten Haushalte in Deutschland profitiert von einem günstigen konjunkturellen Umfeld. Das betrifft die Betriebsüberschüsse und Einkünfte der Selbstständigen. Aber auch die jüngsten Tarifabschlüsse des Baugewerbes, der Metall- und Elektroindustrie sowie des öffentlichen Dienstes fallen angesichts der sehr niedrigen Inflation vergleichsweise hoch aus. Zudem dürfte die Zahl der Erwerbstätigen weiter wachsen. Bei weitgehend unveränderten Abzügen spülen Tariferhöhungen und der Beschäftigungszuwachs den Arbeitnehmern 2016 voraussichtlich knapp vier Prozent mehr Geld in die Lohntüten. Und auch im nächsten Jahr dürfte der Anstieg der Nettolöhne und –gehälter mit 3,7 Prozent recht ordentlich ausfallen.

Die bereits gute Lohnentwicklung des vergangenen Jahres wirkt sich positiv auf die Rentenanpassung 2016 aus. Hinzu kommt ein statistischer Sondereffekt, so dass die Renten zum 1. Juli um insgesamt 4,25 Prozent im Westen und um 5,95 Prozent im Osten angehoben werden. Das ist der stärkste Anstieg für die knapp 21 Millionen Rentner seit vielen Jahren. Trotz des guten wirtschaftlichen Umfeldes wachsen aber auch andere Sozialleistungen kräftig. Hierfür sind die gestiegenen Flüchtlingszahlen und die Wohngeldreform verantwortlich. Insgesamt steigen die monetären Sozialleistungen einschließlich Renten um voraussichtlich 4,3 Prozent in diesem und knapp vier Prozent im nächsten Jahr.

Ein Schönheitsfehler in der Einkommensentwicklung der Bürger ist jedoch das niedrige Zinsniveau. Das private Geldvermögen in Form von Einlagen, Rentenwerten und Versicherungen (4,3 Billionen Euro) hat gemessen an der langjährigen Durchschnittsrendite von 3,4 Prozent ein Einkommenspotenzial von rund 147 Mrd. Euro im Jahr. Durch die extreme Niedrigzinsphase erreichen die Zinseinkünfte aus diesen Vermögenskategorien aktuell jedoch nur etwa 64 Mrd. Euro. Je länger die Niedrigzinsphase dauert, desto mehr höherverzinsliche Anlagen laufen aus und die Durchschnittsverzinsung des Geldvermögens sinkt weiter. Da ein kräftiger Zinsanstieg nicht absehbar ist, sind von den Zinseinkünften kaum Impulse für das verfügbare Einkommen zu erwarten.

In der Summe dürften die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte in diesem Jahr um 3,0 und 2017 um 2,8 Prozent steigen. Nicht nur in nominaler Rechnung kann ein deutliches Plus erwartet werden. Wie bereits 2015 treten durch die sehr niedrige Inflation kaum Kaufkraftverluste auf, so dass der hohe reale Einkommenszuwachs von 2,7 Prozent aus dem Vorjahr voraussichtlich auch 2016 erreicht wird. Bei erhöhter Inflation verbleibt 2017 zwar ein deutlich schwächerer realer Einkommenszuwachs, der mit 1,2 Prozent aber immer noch leicht überdurchschnittlich ausfällt.

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