Rückkehr zum Zinserhöhungszyklus und Brexit-Ausfall könnten Aktien Auftrieb geben

Während vor einigen Tagen die Märkte die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinsanhebung im Sommer noch nahe Null taxierten, ist diese nach jüngsten Äußerungen von Vertretern der Fed deutlich angestiegen. Die fundamentale Checkliste der US-Notenbank scheint abgehakt, nachdem sich der Ausblick für Inflation und Wirtschaftswachstum gebessert hat und sich die Zustände an den Finanzmärkten nach dem unruhigen Jahresauftakt beruhigt haben. Nichtsdestotrotz bleibt die Unsicherheit über den Brexit ein Prognoserisiko. Am 27. Mai hält die Fed-Chefin Yellen eine Rede, von der sich Rentenmarktbeobachter neue Hinweise mit Blick auf einen Zinsschritt erwarten. Wir selbst erwarten seit geraumer Zeit eine weitere Leitzinsanhebung im Juni. Eine Anhebung im Juni wird den Kapitalmärkten das Signal senden, dass der Zinserhöhungszyklus der Fed nicht nach der ersten Erhöhung im Dezember bereits wieder beendet ist, wie viele Marktteilnehmer angesichts einer schwächeren Konjunktur in China schon gehofft hatten.

Wir erwarten, dass eine Normalisierung des Zinserhöhungszyklus an den Aktienmärkten nach dem insgesamt frustrierenden Kursverlauf der vergangenen zwölf Monate (der S&P 500 markierte genau vor einem Jahr sein Allzeithoch, beim DAX sind knapp 14 Monate vergangen) positiv aufgenommen werden würde. Langfristige Vergleiche zeigen, dass Leitzinserhöhungen per se nicht schlecht für die Aktienmarktentwicklung sein müssen, weil sie das Vertrauen der Notenbank in die wirtschaftliche Entwicklung dokumentieren. Die jüngste Schwächephase der US-Wirtschaft schien temporärer Natur gewesen zu sein, was nicht zuletzt auch an den Negativwirkungen des gefallenen Ölpreises lag. Weil sich dieser zwischenzeitlich deutlich erholt hat, dürfte die Talsohle bei den Unternehmensgewinnen in wenigen Monaten durchschritten werden. Dann sollte zunächst eine überproportionale Gewinnerholung im Energie- und verwandten Sektoren einsetzen, was wiederum zu einer Stabilisierung der Gewinnentwicklung beitragen sollte. Zudem hat der steigende Rohölpreis dazu beigetragen, dass es an den Kreditmärkten nicht zu weiteren großen Ausfällen gekommen ist, so dass sich die Nervosität aus dem Frühjahr deutlich zurückgebildet hat, was sich auch am anhaltend niedrigen Niveau der Volatiliätsbarometer VDAX und VIX widerspiegelt. Erhöht die Fed im Juni die Zinsen und kann ein Brexit vermieden werden, ist es aus unserer Sicht sehr wahrscheinlich, dass die Aktienkurse wieder anziehen werden. Ein Übergang in einen ausgeprägten Steigflug ist jedoch unwahrscheinlich, weil das Wirtschaftswachstum insgesamt verhalten bleibt, sich der Fokus zunehmend auf die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen und der damit verbunden Unsicherheiten richtet und die Bewertung des US-Aktienmarktes (KGV-2017e: 17,9) unverändert überdurchschnittlich ausfällt.

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