Die kleine Eiszeit steht Ende Juni vor dem Ende

Zunächst noch unvorteilhaftes Chance- / Risiko-Profil am Aktienmarkt /
Investitionsentscheidungen bis nach dem 23.6. aufschieben

Seit Anfang März bewegt sich der DAX so langsam und wenig wie ein Bär im Winter. Die Handelsspanne des deutschen Leitindex lag maßgeblich zwischen 9.500 und 10.300 Punkten. Die Berichtssaison ist vorüber, es mangelt an relevanten Unternehmensnachrichten. Nur die wenigsten Anleger trauen sich angesichts eines drohenden Brexit aus der Deckung, auch wenn die schlimmsten Belastungen der jüngsten Vergangenheit (abnehmende Nachfrage aus China und den Emerging Markets, schwankende Währungskurse, kollabierender Ölpreis) abgearbeitet wurden und sich hier ein Trend zur Besserung zeigt.

Die gute Nachricht ist, dass die Unternehmensberichte ab dem zweiten Quartal wieder besser ausfallen sollten. Jedoch dürfte das Gewinnwachstum nur verhalten anziehen, und auch die prognostizierte überproportionale Gewinnerholung im Energiebereich sowie verwandter Sektoren wird wegen der zwischenzeitlich geschrumpften Größe der Sektors wohl keinen markanten Beitrag zur einer Dynamisierung der Gewinnentwicklung (speziell beim S&P und beim Euro Stoxx) setzen können. Weil es den Aktienmärkten weltweit an Gewinndynamik fehlt, ist es aus unserer Sicht unwahrscheinlich, dass diese in naher Zukunft ein dauerhaft höheres Kursniveau erreichen und halten können werden.

Nichtsdestotrotz dürften sich auch zukünftig gute Chancen an den Aktienmärkten ergeben, nicht zuletzt, weil sich die Nervosität aus dem Frühjahr zwischenzeitlich deutlich zurückgebildet hat, was sich u.a. am anhaltend niedrigen Niveau der Volatiliätsbarometer VDAX und VIX widerspiegelt. Es ist nicht davon auszugehen, dass es auf Dauer bei dieser niedrigen Volatilität / guten Stimmung bleiben wird.

Wenngleich wir davon ausgehen, dass die amerikanische Notenbank im Juni dieses Jahres den Leitzins leicht anheben wird, wird das Niedrigzinsumfeld weltweit noch auf lange Dauer Bestand haben. Der Mangel an Anlagemöglichkeiten bleibt somit unverändert hoch und macht es wahrscheinlich, dass auch Aktieninvestitionen in Zukunft wieder stärker nachgefragt werden als in den vergangenen Monaten. Eine näher rückende Stabilisierung der Gewinnentwicklung auf geringem Niveau nach dem Übergangszeitraum 2015/16 dürfte dazu beitragen, den Aktienmärkten wieder mehr Stabilität zu geben.

Jedoch droht am 23. Juni zunächst bekanntermaßen ein Negativevent, welches die Märkte im Extremfall längerfristig beschäftigen könnte. Wir gehen zwar nicht davon aus, dass es zum Brexit kommen wird (DZ BANK-Wahrscheinlichkeit 40%), was die aktuell laufende, „kleine Eiszeit“ an den Aktienmärkte beenden und zu höheren Kursen führen würde.

Erfolgt dieser dennoch, dürfte den Aktienmärken zunächst ein Stabilitätsanker entzogen werden und eine neuer „Kälteeinbruch“ wäre wahrscheinlich. Danach würden die Aktienmärkte ein neues Gleichgewicht bilden. Diese Phase dürfte unseres Erachtens bis zu vier Wochen dauern und mit teils deutlichen Kursverlusten verknüpft sein.

Die möglichen Kursverluste werden vermutlich stärker ausfallen als der tatsächliche „Schaden“ eines Brexits, denn wir beim DAX auf deutlich unter fünf Prozent des fairen Wertes taxieren. Ein Einbruch (z.B. zwischen fünf und zehn Prozent) beim deutschen Leitindex wäre aus unserer Sicht entsprechend eine Chance zum Kauf.

Zunächst sehen wir wegen des besprochenen Prognoserisikos „Brexit“ aber noch ein unvorteilhaftes Chance-/Risiko-Profil, so dass Investitionsentscheidungen auf die Tage nach dem Referendum vertagt werden sollten.

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