US-Arbeitsmarkt: Kaum Beschäftigungsdynamik und trotzdem deutlicher Rückgang bei der Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Beschäftigten in den Vereinigten Staaten ist im Mai gegenüber dem Vormonat kaum gestiegen, dies zeigt der heute veröffentlichte Arbeitsmarktbericht. Außerhalb der Landwirtschaft wurde nur ein Anstieg um 38.000 Personen verzeichnet, eine schwächere Entwicklung wurde zuletzt im September 2010 registriert. In den ersten vier Monaten des Jahres hatte der US-Arbeitsmarkt seine Erholung fortgesetzt und ein robustes monatliches Stellenplus von im Durchschnitt immerhin knapp 180.000 Beschäftigten gezeigt. Auch wenn dämpfende Effekte durch den Streik bei einem großen Telekommunikationsunternehmen erwartet worden waren, so ist der fast ausgebliebene Beschäftigungsaufbau im abgelaufenen Monat schon eine recht negative Überraschung. Die private Wirtschaft steigerte laut dem offiziellen Bericht ihre Beschäftigung sogar nur um 25.000 Personen, das restliche Drittel des Beschäftigungsaufbaus fand im öffentlichen Sektor statt. Ohne die streikbedingten Verzerrungen hätte sich im Dienstleistungssektor die Beschäftigtenzahl um rund 100.000 Personen erhöht, aber auch das hätte eine Verlangsamung gegenüber den vorausgegangenen Monaten gezeigt. Da im güterproduzierenden Sektor immerhin 36.000 Stellen abgebaut wurden, legte unterm Strich im Mai die Beschäftigung kaum zu.

Der am Donnerstag, also einen Tag zuvor vom Personaldienstleister ADP veröffentlichte Mai-Report zeichnet ein ganz anderes Bild vom Arbeitsmarkt: Danach wuchs die Beschäftigtenzahl im privaten Sektor um 173.000 Personen. In dem ADP-Bericht wird nur ein geringes Beschäftigungsminus für das produzierende Gewerbe gemeldet, was vor allem an einem Stellenplus bei der Bauwirtschaft liegt, wie wir es auch eher erwartet hätten.

Die Arbeitsmarktlage ist für die amerikanische Notenbank ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung über die weitere Zinsentwicklung. Die Bewertung des jüngsten Berichts dürfte für die Fed-Oberen nicht leicht werden, da trotz der sehr verhaltenen Beschäftigungsdynamik die Arbeitslosenquote sichtbar von 5,0 auf 4,7 Prozent gesunken ist. Damit ist die Quote inzwischen so niedrig, dass das geschätzte inflationsneutrale Niveau quasi erreicht worden ist. Dem entgegen steht eine immer noch verhaltene Lohndynamik, ein unmittelbarer kräftiger Druck auf die Inflation ist also noch nicht zu erkennen. Eine stärkere Beschäftigungsdynamik, die beispielsweise dem Durchschnitt der vergangenen Monate entsprochen hätte, hätte die Arbeitslosenquote allerdings wohl noch stärker gesenkt.

Nach unserer Einschätzung dürfte die Beschäftigungsdynamik im laufenden und in den kommenden Monaten wieder zulegen. Darauf weisen zum einen die Wirtschaftsumfragen hin, zum anderen sollte mit dem Streik-Ende bei dem IT-Unternehmen die Mitarbeiterzahl in diesem Wirtschaftszweig wieder entsprechend ansteigen. Auch der schwache Stellenaufbau im Einzelhandel passt nicht zu der zuletzt recht kräftigen Konsumtätigkeit. Dennoch hat in den Frühjahrsmonaten der Beschäftigungsschwung in den Vereinigten Staaten nachgelassen. Dies dürfte teilweise auch der Tatsache geschuldet sein, dass es für kleinere Unternehmen zunehmend schwieriger wird, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Andererseits schreitet der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit weiter zügig voran und auch der kräftige Anstieg des Arbeitskräfteangebotes in den ersten Monaten dieses Jahres ist bereits kurzfristig in den Arbeitsmarkt integriert worden, was nach unserer Einschätzung ebenfalls auf eine robuste Dynamik am Arbeitsmarkt hinweist.

 

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