US-Konjunktur: Robuste Dynamik – nicht weniger

Die US-Wirtschaft ist mit kräftigem Schwung in das laufende Quartal gestartet, dies zeigen die vorliegenden Daten vom Einzel- und vom Außenhandel sowie vom Bau. Besonders erfreulich ist auch der Anstieg bei der Industrieproduktion. Nach einem schwachen Jahresbeginn sollte damit die größte Volkswirtschaft der Welt wieder auf ihren Wachstumspfad zurückgekehrt sein, in diesem Jahr rechnen wir unverändert mit einem Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent. Der Blick auf die Lage in den einzelnen Wirtschaftsbereichen zeigt, dass die amerikanische Notenbank (Fed) derzeit durchaus den Spielraum für eine Zinserhöhung hätte. Wie auch in den Vorjahren hatte das Ausbleiben von Wachstum im ersten Quartal die Sorgen um die Robustheit der US-Konjunktur befeuert. Dabei zeigt der Blick auf die vergangenen zehn Jahre, dass auch nach der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise die Vereinigten Staaten in der Gruppe der Industrieländer wieder in die Rolle des Wachstumsmotors geschlüpft sind: So ist die US-Wirtschaftsleistung inzwischen um 12 Prozent höher ist als vor dem Ausbruch der Krise, der Euro-Raum kann hingegen nur einen Zuwachs von rund zwei Prozent vorweisen. Wesentlicher Impulsgeber ist in den USA weiterhin der private Konsum, bei dem für diesen Zeitraum eine Steigerung um knapp 15 Prozent verzeichnet wird.

Im laufenden Quartal rechnen wir mit einer robusten Konsumdynamik, unterm Strich dürfte allein der private Verbrauch in diesem Jahr einen Beitrag von 1,8-Prozentpunkten zum Wirtschaftswachstum liefern. Die Fed-Oberen dürften bei ihrer Entscheidung auch den dämpfenden Einfluss der demografischen Entwicklung auf den Konsum berücksichtigen. So liegt zurzeit das jährliche Bevölkerungswachstum nur noch bei gut 0,8 Prozent, während sich in den 90er-Jahren die Zahl der US-Bürger im Mittelwert jährlich um 1,1 Prozent erhöhte. Eine Rückkehr zu einem Konsumwachstum von rund 3,7 Prozent wie es zu diesen Zeiten üblich war, wäre also nur möglich wenn der Konsum pro Einwohner noch stärker wachsen würde als in den 90er-Jahren. Darüber hinaus wurde die Konsumdynamik in den USA damals auch von einem deutlichen Anstieg der privaten Verschuldung getragen, was keinesfalls mehr gewünscht ist. Im Gegenteil: Da die Verschuldung der privaten Haushalte im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen immer noch oberhalb von 100 Prozent liegt, wird die weitere Rückführung angestrebt. Ein kräftigeres Wachstum beim Pro-Kopf-Konsum als im vergangenen Jahr, das bereits bei 2,2 Prozent lag, dürfte mit anhaltendem Schuldenabbau kaum vereinbar sein. Weitere Wachstumsmotoren sind der Wohnungsbau und der Häusermarkt, die extrem niedrigen Zinsen treiben die Nachfrage nach Immobilien. Die verschärfte Kreditvergabepraxis bremst zwar beim Kauf von Häusern und Wohnungen zur Eigennutzung. Anders bei Mietshäusern, hier hat sich die Dynamik bei der Kreditvergabe erheblich beschleunigt.

Insgesamt ist der konjunkturelle Zyklus in den USA ist schon recht weit fortgeschritten, darüber hinaus belastet die verhaltene weltwirtschaftliche Dynamik. Die inzwischen sehr gute Beschäftigungssituation sorgt jedoch für eine robuste Inlandsnachfrage, wovon auch der Wohnungsbau profitiert. Insgesamt steht das derzeitige Wachstum auf einem recht soliden Fundament, da die private Verschuldung sichtbar zurückgeführt worden ist. Kritisch im Blick haben dürften die Entscheider der amerikanischen Notenbank jedoch die Tatsache, dass die Kreditvergabe beim Bau von Mehrfamilienhäusern zuletzt zweistellige Wachstumsraten erreicht hat. Die große Zahl an bereits erteilten Baugenehmigungen gibt keinen Hinweis auf eine Verlangsamung. Das bevorstehende Brexit-Referendum stellt für die US-Konjunktur insofern ein Risiko dar, weil mit der gesamten Europäischen Union eine rechte enge Handelsverflechtung besteht. Andererseits rechnen wir im Falle eines Austritts von Großbritannien mit einem geordneten Verlauf, so dass kurzfristig kaum Belastungen für die US-Konjunktur entstehen dürften.

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