Die Arbeitslosigkeit sinkt, bleibt aber das Problem im Euroraum

In der Europäischen Währungsunion (EWU) sinkt die Arbeitslosigkeit seit dem zweiten Quartal 2013. Die Quote konnte von über 12 Prozent auf aktuell 10,2 Prozent schrittweise gesenkt werden. Die moderate konjunkturelle Erholung dürfte einen Großteil des Beschäftigungsaufbaus erklären. Allerdings ist sie bislang nicht kräftig genug, damit an Vorkrisenzeiträume angeknüpft werden kann. Daher fällt der Rückgang der Arbeitslosenquote nur sehr langsam aus.

Die zähe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern der EWU ist auch Ausdruck weiterhin fehlender Strukturreformen. Einige Volkswirtschaften in Euroraum haben in der jüngeren Vergangenheit Strukturreformen an den Arbeitsmärkten umgesetzt. Insgesamt signalisieren die Indikatoren zur Arbeitsmarktflexibilität, dass sich über eine Deregulierung von Kündigungs- und Einstellungsvorschriften die Spielräume in die Arbeitsmärkte der einzelnen EWU-Mitgliedsländer erhöht haben. Und gerade in Spanien, Griechenland und Portugal wurden als Reaktion auf die schwere Krise zwischen 2008 und 2013 Reformen eingeführt, die den Abbau der Arbeitslosigkeit erleichtert haben.

Eine stärkere Flexibilisierung erleichtert den Stellenaufbau im Aufschwung. Italien hat 2015 eine umfassende Arbeitsmarkreform umgesetzt, allerdings zeigt sie noch nicht die gewünschte Wirkung, auch weil das Wirtschaftswachstum noch schwach ist. Zum Teil wurde im Zuge der Wahlen in Spanien und Portugal auch schon wieder über eine Rücknahme eines Teils der Reformen diskutiert. Das wäre auf jeden Fall ein Schritt zurück. In Frankreich bemüht sich die Regierung im Ringen mit den Gewerkschaften, dringend benötigte Reformen des Arbeitsmarkts auf den Weg zu bringen. Die massiven Proteste und Streiks sind ein klares Zeichen, dass es weiterhin nur eine gringe gesellschaftliche Akzeptanz für diesen notwendigen Veränderungsprozess gibt.

Daher ist es wenig überraschend, dass sich der Arbeitsmarkt in den einzelnen Euroländern sehr unterschiedlich entwickelt. In den stark von der Krise geplagten Ländern Spanien, Portugal und Irland sinkt die Arbeitslosenquote inzwischen sehr deutlich, wenn auch von einem hohen Niveau. In den Kernländern wie Belgien, Finnland und Österreich gibt es dagegen kaum Bewegung, denn die Arbeitslosigkeit stagniert oder steigt sogar leicht. Unter den großen Volkswirtschaften bleibt die Entwicklung in Frankreich und Italien weiter problematisch. Hier bewegt sich die Arbeitslosenquote so gut wie gar nicht. In Deutschland setzt sich der Rückgang der Arbeitslosigkeit dagegen weiter fort und man nähert sich in einigen Bereichen der Vollbeschäftigung.

Die uneinheitliche Entwicklung dürfte sich fortsetzen. Die notwendigen Arbeitsmarktreformen dürften in der absehbaren Zukunft nicht verabschiedet werden, bzw. dreht sich in manchen Ländern das Rad eher rückwärts. Entsprechend sollte die Arbeitslosigkeit im Euroraum nur leicht sinken. Die unzufrieden der Menschen in den Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit sollte also kaum kleiner werden. Insbesondere in Frankreich scheint dies der Fall zu sein. Die politischen Auswirkungen sollten sich entsprechend in den kommenden Monaten kaum abschwächen, sondern eventuell sogar noch zunehmen.

 

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 5.00

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *