Die Rentenmärkte im Euroraum sind viel zu teuer

In der Eurozone mehren sich die Anzeichen für einen deutlichen Anstieg der Inflation. Die Folgen daraus werden nicht lange auf sich warten lassen. Voraussichtlich schon bald danach könnte es zu einem deutlichen Anstieg der Renditen kommen.

In dieser Woche sind die Renditen deutscher Bundesanleihen mit einer 10-jährigen Laufzeit das erste Mal unter 0% gefallen. Auslöser für den erneuten Renditenrückgang war diesmal nicht die Europäische Zentralbank (EZB) mit einem neuen Kaufprogramm für Staatsanleihen, sondern die immer größer werdende Sorge vor einem Brexit. In den letzten Umfragen haben die Befürworter eines Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union deutlich zugelegt. Sie liegen jetzt vorne, so dass ein Brexit nicht mehr auszuschließen ist. Alle Anlageformen haben auf diese Entwicklung negativ reagiert. Bei den Bundesanleihen war das Renditenniveau mit nur noch 0,05 Prozent allerdings auch vorher schon sehr niedrig.

Es wäre jedoch unfair, dem immer wahrscheinlicheren Brexit alleine die Schuld an dem gegenwärtig absurd niedrigen Renditeniveau zu geben. Für dieses Niveau ist hauptsächlich die EZB verantwortlich. Mit ihrem riesigen Kaufprogramm für Staatsanleihen aus dem Euroraum hat sie die Renditen auf dieses niedrige Niveau gedrückt.

Realwirtschaftlich machen diese niedrigen Renditen wenig Sinn. Eigentlich wollte die EZB mit dem Kaufprogramm die Inflationserwartungen anheben und das Kreditwachstum stärken. Doch ein solches Wachstum hat es allenfalls bei Immobilienkrediten gegeben. Die Kreditnachfrage von Unternehmen steigt dagegen kaum an. Bei den Unternehmen scheinen die Kapitalkosten keine Rolle zu spielen. Das fundamentale Umfeld ist bislang zu schwach, um einen spürbaren Anstieg der Kreditnachfrage anzuregen.

Das derzeitige Renditenniveau bei den Bundesanleihen geht einher mit einer sehr niedrigen Inflation. Diese liegt im Euroraum zurzeit bei -0,2 Prozent, vor allem wegen des kräftigen Rückgangs des Ölpreises im letzten Jahr. Die Tage der sehr niedrigen Inflation im Euroraum scheinen jedoch gezählt zu sein. Der Ölpreis ist in den letzten Wochen kräftig gestiegen und liegt jetzt bei rund 50 Dollar je Barrel. Das hier erreichte Preisniveau beim Öl sollte gehalten werden. Das Überschussangebot auf dem Weltmarkt für Rohöl wird offensichtlich vor allem durch ungeplante Förderausfälle in mehreren Ländern schneller abgebaut, als es noch vor einigen Wochen den Anschein hatte. Gleichzeitig werden die Schätzungen für die globale Nachfrage leicht nach oben korrigiert. Jedoch sollte der Ölpreis nicht ungebremst weiter steigen, denn der steigende Preis wird nun wiederum die Fördermengen in die Höhe treiben. Beispielsweise dürften in den Vereinigten Staaten die Explorationsaktivitäten im Fracking-Bereich wieder anziehen, aber auch einige Schwellenländer, die teilweise erheblich unter dem Preisverfall gelitten hatten, dürften ihre Förderung nun wieder erhöhen.

Die Folge des steigenden Ölpreises ist eine anziehende Inflation. Bis Ende 2016 werden die Preise im Euroraum voraussichtlich um rund 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen, und im ersten Quartal 2017 dürfte die Preissteigerungsrate dann sogar bei etwa 1,5 Prozent liegen. Im Laufe des Jahres 2017 wird sie sich dann um diesen Wert einpendeln. Damit wäre dann das Inflationsziel der EZB von 2 Prozent fast erreicht.

Mit dem Anstieg der Inflation ändert sich dann auch das fundamentale Umfeld für den Rentenmarkt. Seine massive Überbewertung wird dann für alle deutlich sichtbar, denn die Realrenditen liegen Ende des Jahres bei voraussichtlich schon bei minus 1 Prozent – und das bei einen erwarteten Wirtschaftswachstum von rund 1,5 Prozent. Es dürfte also zu einer massiven Preisanpassung am Rentenmarkt kommen und das unabhängig davon, ob die EZB weiter Staatsanleihen kauft oder das Kaufprogramm im Laufe von 2017 tatsächlich auslaufen lässt.

Die meisten Investoren sollten auf ihre Anleihebestände im Portfolio deutliche Gewinne haben. Mit dem Anstieg der Inflation wird eine Neubewertung des Rentenmarktes sehr wahrscheinlich. Daher wird die Verkaufsbereitschaft der Investoren mit der steigenden Inflation merklich zunehmen, um die Gewinne auf Rentenpapiere vor einem dann erwarteten Preisrutsch zu sichern.

Wenn sich die Inflation wie oben beschrieben entwickeln wird, sollte also eine ausgeprägte Neubewertung am Rentenmarkt anstehen. Wenn man sich das Maß der Überbewertung der europäischen Rentenmärkte und die sehr dünne Marktliquidität anschaut, kann diese Neubewertung auch in einer Panik an den Rentenmärkten enden – die Blase am Rentenmarkt würde platzen. Eine solche Entwicklung würde dann innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen zu einem deutlichen Anstieg der Renditen führen.

Ein solch schnelles Ansteigen der Renditen könnte sich dann auch wieder negativ auf das Wachstum und auch die Staatshaushalte der südlichen Euroländer auswirken. Denn die dann höheren Renditen könnten die Investitionsentscheidungen der Unternehmen ungünstig beeinflussen. Bei den Staatshaushalten würde die höheren Zinsen die Finanzierung mit der Zeit deutlich teurer machen und die Staatshaushalte entsprechend belasten.

Das Risiko an den Rentenmärkten ist also erheblich. Sobald sich die ersten Anzeichen der Inflation zeigen werden, dürften sich die Investoren entsprechend neu orientieren. Die Folgen für die reale Wirtschaft wären in einem solchen Falle klar negativ. Gegen eine solche Entwicklung könnte dann auch die EZB nichts unternehmen. Letztendlich wäre dies die Folge ihrer Politik in den vergangenen Jahren. Falls es zu einem Brexit kommt, dürfte sich die Normalisierung der Bewertung an den Rentenmärkten allenfalls zeitlich verschieben, letztlich dürfte das Problem aber dabei nur noch größer werden.

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