Fed hat keine Eile

Fed-Chefin stellt strukturelle Probleme vermehrt in den Vordergrund
Fed-Chefin Yellen zeigte sich bei ihrer gestrigen Rede vor dem US-Kongress erneut sehr vorsichtig in Bezug auf eine weitere Straffung der geldpolitischen Zügel. Es gab in einigen Sektoren Hinweise darauf, dass die Wirtschaft besser verlaufe. Gleichzeitig gebe es auch Entwicklungen, die Sorge bereiten. Gerade die geringe Dynamik am US-Arbeitsmarkt müsse weiter beobachtet werden. Insgesamt gehe sie jedoch davon aus, dass die gegenwärtige Schwäche temporär sei.

Frau Yellen betonte zudem, dass eine langsame Vorgehensweise im neuen Zinserhöhungszyklus angebracht sei, da es sehr viel Gegenwind für die wirtschaftliche Entwicklung gebe. Werden die verschiedenen Reden der Notenbank-Chefin miteinander verglichen, so scheint sich der geldpolitische Akzent innerhalb der Fed in den zurückliegenden Monaten leicht verändert zu haben. So wird der Eindruck gewonnen, dass die Notenbank weniger zyklische Faktoren für die schwache Wirtschaftsentwicklung anführt. Vielmehr werden nun zahlreiche strukturelle Probleme in den Vordergrund gestellt. In diesem Zusammenhang betont die Notenbank das niedrige Produktivitätswachstum sowie die schwache Investitionstätigkeit ausgiebig. Auch zahlreiche globale Risiken wurden bei der jüngsten Einschätzung der Konjunktur erneut genannt. Yellen führt in diesem Zusammenhang den Umbau der chinesischen Industrie hin zu einer weniger exportlastigen Wirtschaft an. Insgesamt sei die globale Wirtschaftsentwicklung sehr anfällig für Störungen.

Wie geht weiter mit der Geldpolitik?

Konkrete Hinweise zum Fortgang des Zinserhöhungszyklus gab es nicht. Yellen blieb bei ihrer Aussage, dass die Geldpolitik noch lange Zeit expansiv bleiben werde und weitere Zinserhöhungen lediglich graduell vorgenommen werden. Die aktive Suche der Fed nach Gegenargumenten fällt jedoch auf. Wir halten dennoch eine Leitzinserhöhung im Juli im Falle eines britischen „Remain“ und bei einem besseren Juni-Arbeitsmarktbericht für möglich. Ansonsten schließt sich unseres Erachtens das Zeitfenster für eine erneute geldpolitische Straffung bis Ende des Jahres.

 

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