Brexitsorgen beeindrucken Einkaufsmanager im Euro-Raum anscheinend nicht

Die heutige Abstimmung über den Austritt Großbritanniens aus der EU konnte offenbar die Einkaufsmanager (PMI) im Euro-Raum im Juni nicht erschrecken. Zwar ging es für den Gesamtindex, der sich aus den Teilindizes für das verarbeitende Gewerbe und die Dienstleistungsaktivität zusammensetzt, leicht nach unten. Mit 52,8 Punkten pendelt der Wert aber nun zum vierten Mal in Folge um die Marke von 53 Indexpunkten und deutet damit praktisch keine Veränderung im Stimmungsbild insgesamt an. Etwas mehr Bewegung zeigt sich hingegen bei den Teilindizes: Konnte sich das Klima im verarbeitenden Gewerbe vor allem dank der gestiegenen Auslandsnachfrage gegenüber dem Vormonat verbessern, trübte sich die Zuversicht im Dienstleistungsbereich aufgrund einer schwächeren Auftragslage ein.

In Deutschland setzt sich das grundsolide Vertrauen in der Privatwirtschaft weiter fort. Das signalisieren die Ergebnisse aus den Einkaufsmanagerbefragungen im Juni vor allem für das verarbeitende Gewerbe. Der Teilindex legte starke +2,3 Punkte zu und landete bei einem Indexstand von 54,4 – dem besten Ergebnis seit Februar 2014. Dabei zeigte sich besonders bei der Bewertung für Neuaufträge ein kräftiger Stimmungszuwachs. Weniger optimistisch als im Vormonat zeigten sich hingegen die Dienstleister. Der PMI für die Serviceaktivität gab ‑2,0 Punkte nach. Mit einem Stand von 53,2 lag die Stimmung in diesem Teilbereich aber weiter im wirtschaftlich expansiven Bereich.

Das Klima auf Frankreichs Straßen bleibt aufgeheizt. Die geplante Arbeitsmarktreform mündete in den vergangenen Monaten zum Teil in einem regelrechten Streikchaos. Zeitweise wurden ganze Industrien wie beispielsweise die Erdölindustrie lahm gelegt. Das hat sich offenbar weiter merklich auf das Stimmungsbild der französischen Einkaufsmanager im verarbeitenden Gewerbe ausgewirkt. Der Index gab im Juni um ‑0,8 Punkte nach und landete bei einem Indexstand von 47,9 Punkten; dem tiefsten Wert seit 16 Monaten. Damit bleibt der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe weiterhin auf Tauchkurs unterhalb der „Wachstumsschwelle“ von 50 Punkten. Noch deutlicher ging es mit der Stimmung der Dienstleister abwärts. Der Index verlor ‑1,7 Punkte und rutschte auf einen Stand von 49,9 und liegt damit leicht unterhalb der 50-Punkte-Marke. Offenbar kam es im Juni zu einem abrupten Rückgang bei den Neuaufträgen, was selbst die Geschäfte rund um die EM-Festivitäten nicht kompensieren konnten.

Die Werte der Juni-Umfrage komplettieren das konjunkturelle Stimmungsbild für das zweite Quartal. Trotz des unsicheren Ausgangs beim heutigen Brexit-Votum hielten sich die Abweichungen gegenüber Q1 im Euro-Raum weitestgehend im Zaum. So verlor das Klima für den Gesamtindex im Quartalsvergleich gerade einmal ‑0,3 Punkte und verharrte mit 53,0 Punkten nahezu unverändert im komfortablen Wachstumsbereich. Trotz der geringen Abweichungen der Einkaufsmanagerergebnisse ist eine Fortsetzung der höheren Wachstumsrate aus dem ersten Quartal mit+0,6 Prozent eher unwahrscheinlich. Sondereffekte hatten in den ersten drei Monaten dieses Jahres für außerordentliche Zuwachsraten vor allem im Industriesektor gesorgt. Diese dürften im aktuellen zweiten Quartal aber weitestgehend ausgelaufen sein. Eine merkliche Gegenbewegung beim Wirtschaftswachstum gegenüber dem ersten Quartal sehen wir aber ebenso wenig. Vielmehr dürfte sich die Quartalsrate wieder auf dem moderaten Wachstumspfad der letzten beiden Jahre einpendeln.

 

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