EWU-Inflationsrate im Juni wieder positiv – bleibt es dabei?

Nachdem die Inflationsrate der Europäischen Währungsunion (EWU) in den letzten Monaten an der Nulllinie oder knapp darunter vor sich hin dümpelte, ist sie im Juni leicht angestiegen und hat den negativen Bereich verlassen. Nach stagnierenden Verbraucherpreisen im Vormonat liegt die Jahresrate im Juni bei +0,1 Prozent. Die niedrigeren Energiepreise, die im Jahresvergleich um -6,5 Prozent im Juni nachgaben, wirken weiter senkend auf die Verbraucherpreise. Sie schlagen aber weniger stark zu Buche als noch am Jahresanfang.

Dass die Inflationsrate der EWU den negativen Bereich verlassen konnte, hat sich schon in den vorläufigen Länderergebnissen angedeutet. In Deutschland stieg die Inflationsrate, gemessen am europaweit Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von 0,0 auf 0,2 Prozent und in Frankreich von 0,1 auf 0,3 Prozent. Weiterhin negativ, aber höher als im Vormonat, blieb der HVPI in Spanien. Er kletterte von -1,1 auf -0,9 Prozent. In Italien blieb die Inflationsrate dagegen unverändert bei -0,3 Prozent.

Der Preisauftrieb bei den anderen Komponenten blieb im Juni allerdings erneut verhalten. Dienstleistungen verteuerten sich im Jahresvergleich um 1,1 Prozent nach 0,9 Prozent im Mai. Bei Nahrungsmitteln, Alkohol und Tabak steigen die Preise im Jahresvergleich um 0,9 Prozent genauso wie im Vormonat. Und nichtindustrielle Güter ohne Energie verzeichneten einen Preisanstieg von 0,4 Prozent. Die Kernrate, also die Inflationsentwicklung ohne Nahrungsmittel und Energie, stieg von 0,8 auf 0,9 Prozent.

Im Aggregat und in den Ländern steigt mehrheitlich die Inflationsrate, aber nur sehr schwach. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Monaten weiter fortsetzen und die Inflationsrate im positiven Terrain bleiben lassen. Allerdings ist der Preisauftrieb in der EWU nur sehr verhalten. Von einem kräftigen Anstieg kann auch in absehbarer Zukunft keine Rede sein. Die niedrigen Energiepreise laufen mit dem moderat steigenden Ölpreis im weiteren Jahresverlauf zwar aus. Um die Jahreswende 2016/2017 dürften die Preise für Energiegüter sogar wieder positiv zur Verbraucherpreisentwicklung beitragen. Doch die insgesamt nur moderate wirtschaftliche Erholung und die vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit in der EWU drosseln den Preisauftrieb. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in der Kerninflation wider, die sich seit einigen Monaten knapp unter der 1-Prozentgrenze bewegt und eben keine Anzeichen macht deutlicher anzusteigen. Das eigentliche Inflationsziel der EZB von „nahe, aber kleiner 2,0 Prozent“ bleibt daher trotz steigender Verbraucherpreise noch weit entfernt.

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