Der Kniesehnenreflex des Finanzmarktes

Der bekannte Kniesehnenreflex funktioniert ganz einfach: Bei einem leichten Schlag auf die Patellarsehne, hebt sich der Unterschenkel. Ähnlich funktionieren zurzeit die internationalen Zentralbanken. Es gibt eine außergewöhnliche Entwicklung, im aktuellen Fall der Brexit, nach kurzer Zeit kommen starke Versprechen der Notenbanken, dass man baldigst das monetäre Umfeld weiter lockert. So geschehen gestern, als die Zentralbank von Großbritannien vorsorglich Zinssenkungen in naher Zukunft angekündigt hat und die EZB eine baldige Änderung bei den Modalitäten des Staatsanleihekaufprogramms ankündigte. Zukünftig könnte der Ankaufschlüssel nach der Marktkapitalisierung und nicht nach den EZB-Kapitalanteilen der Länder ausgerichtet werden. Das könnte bedeuten, dass die Schuldenhöhe eines Landes den Anteil der zukaufen Anleihen im Kaufprogramm der EZB bestimmt.

Die Reaktionen am Kapitalmarkt waren auch die üblichen. Die Aktien und Unternehmensanleihen haben profitiert und die Renditen von Staatsanleihen sind gefallen. Jedoch denke ich nicht, dass solche Ankündigungen noch einen nachhaltig positiven Effekt auf das Vertrauen der Investoren haben. Damit dürfte die stabilisierende Wirkung solcher Ankündigungen für die Finanzmärkte und die konjunkturelle Entwicklung ebenfalls sehr schwach sein.

Gleichzeitig wird durch die niedrigen Renditen im Euroraum der Druck auf Ersparnisse und das Bankensystem immer größer. Insbesondere in Deutschland wird dies zunehmend sichtbar. Die steigende Diskussionsdynamik bei den Themen negative Zinsen für private Kunden und betriebliche Altersvorsorge sind deutliche Zeichen einer zunehmenden Besorgnis. Dies könnte mittelfristig eher zu einer weiteren Destabilisierung im Euroraum beitragen, also genau der gegenteilige Effekt von dem, was die EZB gern erreichen würde.

 

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