US-Arbeitsmarkt: Nahe der Vollbeschäftigung, trotzdem nur geringe Lohndynamik – ein Fest für die Finanzmärkte

Der am Freitag veröffentlichte offizielle Bericht zum US-Arbeitsmarkt (BLS) bestätigt das Bild einer weiterhin robusten Beschäftigungsdynamik. Dass sich der Rückgang der Arbeitslosenquote in diesem Jahr deutlich langsamer gestalten dürfte als im Vorjahr, entspricht im Wesentlichen unseren Erwartungen und ist keine negative Überraschung. Allerdings bestätigt der Juni-Bericht auch, dass die Beschäftigungsdynamik in den USA wohl ihren Höhepunkt überschritten hat. Im bisherigen Jahresverlauf liegt das monatliche Stellenplus im Durchschnitt bei knapp 170.000, im entsprechenden Vorjahreszeitraum erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten hingegen jeweils um rund 220.000 Personen. 2014 lag die monatliche Steigerung in der ersten Jahreshälfte sogar bei fast einer viertel Million. Die Entwicklung der Zahl der Beschäftigten deutet aber auch darauf hin, dass man im US-amerikanischen Arbeitsmarkt sich langsam einer Vollbeschäftigung nähert und somit die Aufwärtsdynamik der Beschäftigung deutlich nachlassen sollte.

Dennoch sollte vor diesem Hintergrund der Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,7 auf 4,9 Prozent, nicht als ein wirklich beunruhigendes Signal gewertet werden. Es hat sich zwar die Zahl der Arbeitslosen erhöht, dies betraf aber vor allem die Zahl der Personen, die erst seit kurzem einen Arbeitsplatz suchen. In dem Anstieg der offiziellen Quote spiegelt sich vor allem wieder, dass sich das Arbeitskräfteangebot im Juni gegenüber dem Vormonat deutlich um mehr als 400.000 Personen ausgeweitet hat, und deshalb nicht sofort alle diese Personen eine Arbeitsstelle gefunden haben. Wirklich positiv zu bewerten ist hingegen, dass die Zahl der „discouraged workers“, also die Zahl derjenigen, die bisher entmutigt dem Arbeitsmarkt ferngeblieben sind, den sechsten Monat in Folge rückläufig war. Der Schwung am US-Arbeitsmarkt ist weiterhin durchaus ausreichend, um auch noch die „stille Reserve der so genannten arbeitsmarktnahen Personen“ zu integrieren. Dies kommt auch in der Tatsache zum Ausdruck, dass im Gegensatz zur offiziellen Arbeitslosenquote eine ebenfalls vom BLS veröffentlichte alternative Arbeitslosenquote mit Bezeichnung U-6 im Juni von 9,7 auf 9,6 gesunken ist. Um diese Zahl richtig einordnen zu können: Der langjährige Durchschnitt dieser Quote liegt bei 10,7 Prozent. Bei der Berechnung von U-6 werden alle Personen berücksichtigt, die jemals gearbeitet haben, aber in den letzten Monaten nicht arbeitssuchend gemeldet waren. Folglich zeigt diese umfassende Kennzahl, dass in den USA das Phänomen der Arbeitslosigkeit immer weiter schwindet.

Eine sichtbare Lohndynamik konnte sich dennoch nicht einstellen, offensichtlich wird dies durch den Strom der Rückkehrer immer noch verhindert. Auf Monatssicht stieg der durchschnittliche Stundenlohn nur geringfügig um 0,1 Prozent, nach einer Steigerung um 0,2 Prozent im Mai.

Die Umfragen im Dienstleistungsbereich weisen darauf hin, dass der Servicesektor auch in den kommenden Monaten den Jobmotor in den Vereinigten Staaten in Gang halten wird. Eine verbesserte Auftragslage und auch die insgesamt sichtbar verbesserte Stimmung lassen uns darüber hinaus auch einen kleinen Beitrag aus dem güterproduzierenden Bereich erwarten, wo zuletzt eher Stellen abgebaut wurden. Vor allem die immer noch leicht rückläufige Zahl der Baubeschäftigten überrascht uns, angesichts der recht kräftigen Bautätigkeit. Insgesamt sollte sich der Abwärtstrend bei der Arbeitslosenquote weiter fortsetzen.

An den Finanzmärkten wurde der jüngste Arbeitsmarktgereicht abermals gefeiert. So erreichten sowohl die Aktienmärkte wie auch Anleihemärkte erneut höchst Kurs. Entsprechend ist die Rendite der 10j Staatsanleihe auf ein neues Rekordtief gefallen. Offensichtlich rechnen die Investoren, trotz der gesunden Entwicklung am Arbeitsmarkt, weiterhin nur mir einer moderaten Lohnentwicklung und entsprechenden keinen weiteren Zinsanhebungen. Letzteres sollte auch vom jüngsten Beschluss für den Brexit beeinflusst sein. Insgesamt also weiterhin ein gutes Umfeld für risikoreichere Assetklassen, wie Aktien und Unternehmensanleihen.

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