Chinas Währungspolitik: Nicht an Worten – an ihren Taten sollt Ihr sie erkennen

Alles ist relativ – offenbar auch das Verständnis von Wechselkursstabilität. Chinas Währung hat im zweiten Quartal das größte Minus der Geschichte erlitten, und dennoch betonen Chinas Währungshüter unbeirrt, dass der Yuan grundsätzlich stabil auf einem vernünftigen und ausgewogenen Niveau gehalten werde. Und das gilt nicht nur zukunftsgerichtet als Soll-Zustand, sogar die hinter uns liegende Kursentwicklung, die uns immerhin ein Sechs-Jahrestief zum US-Dollar beschert hat, wird als weitgehend stabil bezeichnet. Unsere Vorstellung von „Stabilität“ ist eine andere, insofern bleibt für uns bei Chinas Wechselpolitik ein unübersehbarer Widerspruch zwischen Worten und Taten.

Stabil oder nicht, sind dennoch mehrere Aspekte bemerkenswert: Zunächst ist die gegenwärtige Yuan-Abwertung nicht etwa das Spiegelbild eines erstarkenden Dollars wie etwa im Schlussquartal 2015. Außerdem ist die aktuelle Entwicklung glücklicherweise nicht von globaler Panik begleitet, obwohl der Kursverlust seit Mai mit über 3% inzwischen sogar größer ist als die welterschütternde Abwertung vom letzten August. Wie die frischen Reservedaten vom Juni (bzw. deren überraschender Anstieg um 13 Mrd. USD) gezeigt haben, scheint China diesmal sogar die gefürchtete Kapitalflucht unter Kontrolle zu haben. Mehr darüber, wie es um Chinas Wechselkurspolitik bestellt ist, könnten wir schon am Freitag erfahren, wenn die BIP-Daten für das zweite Quartal vorgelegt werden. Wir sind es gewohnt, an dieser Stelle politisch geschönte Wachstumszahlen vorgelegt zu bekommen; spannend wird, ob auch der Yuan aus gegebenem Anlass eine kosmetische Extrabehandlung erhalten wird.

 

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