US-Berichtsaison: Das fünfte Quartal in Folge mit rückläufigen Gewinnen

Alcoa eröffnet nach Börsenschluss mit der Vorlage der Q2-Zahlen die US-Bilanzsaison. Die aktuellen Marktschätzungen gehen davon aus, dass die Gesamtgewinne der US-Unternehmen um 5,6% sinken werden. Damit befindet sich der US-Aktienmarkt nunmehr seit fünf aufeinander folgenden Quartalen in der Gewinnrezession, was die längste Durststrecke seit der Finanzkrise 2008/2009 darstellt.

Besonders starke Ergebnisrückgänge werden aufgrund des Ölpreisverfalls für den Energiesektor erwartet, wo die Gewinne annährend 80% unter denen des Vorjahres liegen sollten. Aber auch die Sektoren Grundstoffe und Technologie sollten mit 12% bzw. 7% deutlich rückläufige Gewinnzahlen präsentieren. Stark im Mittelpunkt der Betrachtung werden zudem die US-Banken stehen. Wie die europäischen Finanzwerte leiden auch die US-Banken unter dem sehr niedrigen Zinsniveau, das auf die Margen im klassischen Bankgeschäft drückt. Die Hoffnung liegt aktuell darauf, dass es im Investment Banking hingegen leicht besser als zu Jahresbeginn gelaufen ist. Insgesamt wird jedoch auch bei den US-Banken mit einem rückläufigen Ergebnis von rund fünf Prozent gerechnet.

Von großem Interesse werden in dieser Berichtsaison zudem die Aussagen der Firmenlenker bezüglich der Auswirkungen des Brexits sein, den die meisten Unternehmen bisher nicht auf der Rechnung hatten. Obwohl die US-Unternehmen lediglich rund 3% der Umsätze mit dem Vereinigten Königreich erzielen, stellt UK den drittgrößten Absatzmarkt für US-Unternehmen dar. Dabei werden nicht nur die direkten Auswirkungen zu berücksichtigen sein, sondern auch die generelle Schwächung der Wirtschaft in Europa sowie Wechselkursveränderungen.

Obwohl die US-Unternehmen im dritten Quartal aufgrund der Erholung des Ölpreises auf den Wachstumskurs zurückfinden sollten, wird für das Gesamtjahr 2016 nur ein marginales Ergebniswachstum von 1,2% erwartet. Der US-Aktienmarkt notiert jedoch nahe des Allzeithochs und im Gegensatz zu den europäischen Aktienmärkten seit Jahresbeginn rund vier Prozent im Plus. Hohe Kurse in Verbindung mit einer schwachen Gewinnentwicklung haben die Bewertung des US-Marktes stark in die Höhe getrieben. Mit einem KGV von 17 notiert der US-Markt fast 20% über der historischen Bewertung sowie deutlich über der Bewertung der europäischen Märkte. Da mit der US-Präsidentschaftswahl im Herbst bereits der nächste Unsicherheitsfaktor ansteht, bleiben wir für den US-Aktienmarkt beim aktuellen Bewertungsniveau eher zurückhaltend.

 

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