Bank Lending Survey signalisiert Kreditwachstum – Wie erfolgreich ist die EZB-Politik tatsächlich?

Wie aus dem Juli-Bank-Lending-Survey der EZB hervorgeht, rechnen die Banken im Euroraum weiter mit einer steigenden Kreditnachfrage. Zwar hat sich die Mehrheit optimistischer Kreditinstitute im Vergleich zum April etwas verringert, aber sie ist immer noch deutlich. Vor allem schätzen die Banken sowohl die Kreditnachfrage der Unternehmen als auch der privaten Haushalte positiv ein, und sie planen keine Verschärfung ihrer Kreditrichtlinien. Das klingt gut. Besteht also Hoffnung, dass der allmählich erkennbare Aufschwung im Kreditgeschäft der Banken Fahrt aufnimmt und die Investitionstätigkeit in der Wirtschaft angekurbelt? Hierauf zielt die überaus expansive Geldpolitik der EZB schließlich ab.

Ein differenzierter Blick in die Statistik verdeutlicht, dass die Flut billigster Zentralbankmittel bisher nicht sehr effizient war: Zwar wuchsen die von den Geschäftsbanken vergebenen „Kredite an Nichtbanken im Euro-Währungsgebiet“ von Ende Mai 2015 bis Ende Mai 2016 um beachtliche 3,1 Prozent. Die hierin enthaltenen „Kredite an Unternehmen und Privatpersonen“ stiegen jedoch nur um 0,6 Prozent, während die „Kredite an öffentliche Haushalte“ mit +11,9 Prozent nahezu explodierten. Ein Grund für die extremen Unterschiede liegt in der großzügigen statistischen Abgrenzung der „Kredite an Nichtbanken“, die neben Buchkrediten auch die Bereitstellung von Finanzmitteln in Form von Wertpapieren einschließt. Und tatsächlich wuchsen die von den Banken erworbenen Staatsanleihen um 17,8 Prozent, während die Buchkredite an Unternehmen gerademal um 0,3 Prozent zulegten.

Die Gründe für das langsame Wachstum der Firmenkundenkredite sind vielschichtig. In Deutschland ist das vor allem die schwache Kreditnachfrage. Hierzulande profitieren Unternehmen vom guten Cashflow, der es ihnen erleichtert, Investitionen selbst zu finanzieren. In Südeuropa spielen eher Angebotsaspekte eine Rolle: Zwar sorgt die EZB dafür, dass grundsätzlich ausreichend Mittel im Markt sind und den Banken Refinanzierungswege offen stehen. Allerdings sind diverse Banken in Italien und anderen Ländern noch nicht in der Lage, ihr Kreditgeschäft stark auszudehnen, weil der Gesundungsprozess nach der Krise noch nicht abgeschlossen ist. Probleme bereiten vor allem „faule Kredite“. Obwohl der Anteil zweifelhafter und notleidender Kredite zuletzt etwas reduziert werden konnte, bleibt die Situation immer noch äußerst angespannt. Grundsätzlich besteht zwar hoher Kreditbedarf, aber in Südeuropa mangelt es an Kreditnachfrage mit vertretbaren Risiken. Diese entsteht erst allmählich mit einem sich verfestigenden Konjunkturaufschwung.

Trotz der positiven Signale des Bank Lending Surveys bleibt es dabei: Die Kreditvergabe im Euroraum kommt nur langsam in Gang. Stattdessen wachsen die Staatsanleihenbestände der Banken. Die Möglichkeiten der EZB, über die Kreditvergabe die Investitionstätigkeit der Wirtschaft schnell anzukurbeln, bleiben beschränkt. Die aktuelle Entwicklung verdeutlicht, dass kein Weg an einer nachhaltigen Gesundung des Banksektors und wirksamen wirtschaftspolitischen Reformen vorbeiführt.

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