Der IWF senkt seine Wachstumsprognose nur geringfügig, zeigt aber erhebliche Risiken auf

Der Internationale Währungsfond (IWF) hat jüngst, im Rahmen seiner alljährlich im Juli durchgeführten Aktualisierung, seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft leicht gesenkt. Nach der jüngsten IWF-Prognose steigt in diesem Jahr die Wirtschaftsleistung weltweit im Durchschnitt mit dem gleichen Tempo wie im Vorjahr, und zwar um 3,1 Prozent. Im kommenden Jahr rechnet die in Washington ansässige Behörde wieder mit einer etwas stärkeren Dynamik in Höhe von 3,4 Prozent, was dann wieder dem Tempo aus dem Jahr 2014 entsprechen würde. Als wesentlicher Grund für den geringfügig eingetrübten Wachstumsausblick wird das Votum der britischen Bevölkerung für den Austritt aus der Europäischen Union genannt. Nach diesem Basisszenario wären die Belastungen für die Weltwirtschaft und vor allem für die Industrieländer also nur „sehr“ begrenzt und liegen sogar schon im Bereich der statistischen Unschärfe.

Es entsteht schon fast der Eindruck, als wäre der bevorstehende Brexit gar kein wirkliches Risiko für die Weltwirtschaft, da reicht der IWF in seinem Pressestatement zumindest in grafischer Form noch zwei Risiko-Szenarien nach. Bei dem milderen Risiko-Szenario fällt die Beschleunigung der Weltwirtschaft im Jahr 2017 nur noch in etwa halb so stark aus wie beim Basis-Szenario. Beim Szenario einer ernsthaften wirtschaftlichen Krise, die sich vor allen Dingen bei den Industrieländern und dort auch schwerpunktmäßig in Europa niederschlagen würde, bremst die konjunkturelle Dynamik bereits in diesem Jahr sichtbar ab und verharrt auch im kommenden Jahr unterhalb der 3-Prozent-Marke. Ein schwächeres Weltwachstum wurde nur 2009 verzeichnet, beim Tiefpunkt der großen Finanz- und Wirtschaftskrise. Wahrscheinlichkeiten für diese pessimistischeren Szenarien werden nicht angegeben, es wird lediglich der deutlich „schwärzere“ Ausblick als weniger wahrscheinlich tituliert.

Bleibt die Frage, inwiefern sich die aktuellen IWF-Prognosen von unseren Prognosen unterscheiden, die wir ja unmittelbar nach dem Referendum nach unten genommen hatten. Nach unserer Einschätzung bleibt in diesem Jahr das Wachstum der Weltwirtschaft hinter dem Vorjahr zurück, dieses Bild hatten wir allerdings schon vor dem Brexit-Votum, auch wenn die Abbremsung jetzt noch etwas schärfer ausfallen dürfte. Der IWF sagt an dieser Stelle: Das Wachstum in 2016 ist genauso groß wie im Jahr 2015, da die Dynamik bei den Industrieländern sich nicht verlangsamt.

Im kommenden Jahr rechnen wir – ähnlich wie der IWF in seiner Basis-Prognose – wieder mit einer etwas stärkeren weltwirtschaftlichen Dynamik, da der Schwung bei den Schwellenländern wieder etwas anziehen dürfte. Allerdings sind wir für die Entwicklung in den Industrieländern skeptischer als der Währungsfond, so dass nach unserer Meinung das Weltwachstum nur leicht anzieht und nur das Tempo von 2015 erreicht und noch hinter der Dynamik aus dem Jahr 2014 zurückbleibt. Soweit es sich aus den Grafiken des IWF ablesen lässt, entspricht also die DZ BANK-Prognose dem milderen Risiko-Szenario des IWF. Nach unserer Einschätzung sollten die belastenden Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit in Großbritannien und auch bei dessen engsten Handelspartnern nicht unterschätzt werden. Unsere Bedenken sind sogar noch weitreichender, da die bremsenden Effekte für den Welthandel nicht nur die Konjunktur im Euro-Raum, sondern beispielsweise auch in den Vereinigten Staaten belasten dürften. Immerhin fließt ein Fünftel der US-Exporte in die Europäische Union. Anders als die Washingtoner Behörde gehen wir davon aus, dass in den USA das Wirtschaftswachstum auch in 2017 nur bei zwei Prozent liegt und damit dem Tempo dieses Jahres entspricht.

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