Aktienmärkte auf Rekordjagd – aber nur in den USA

Wir hatten nach dem Brexit-Referendum die Chance genutzt, um in unserer Asset Allocation die Aktienquote von null auf 35 Prozent heraufzunehmen, weil wir davon ausgegangen waren, dass sich die im Vorfeld der Abstimmung entstandene Nervosität wieder zurückbilden sollte. Dies war für unsere Verhältnisse ein aggressiver Schritt. Wir gingen jedoch davon aus, dass es auf Dauer nicht bei der negativen Stimmung (z.B. stand der VDAX über 37) und den hohen Kursverlusten, die in der Spitze weltweit 5 Bio. US-Dollar betrugen, bleiben würde. Im Gegenzug hatten wir in Anbetracht der gefallenen Renditen europäische Staatsanleihen verkauft und Gewinne realisiert.

Tatsächlich hat sich die Stimmung an den Aktienmärkten wieder beruhigt, die Käufer sind zurückgekehrt, die Kurse sind wieder deutlich angestiegen. Zwischenzeitlich erscheint unter den Aktienmärkten insbesondere der US-Markt wieder überhitzt, mit einem KGV von 17 notiert dieser fast 20% über der historischen Bewertung, sowie deutlich über der Bewertung der europäischen Märkte. Jedoch erscheint die Entwicklung in den USA eine Ausnahme. Die meisten der anderen Aktienbarometer notieren deutlich tiefer. Dazu gehören etliche Aktienindizes in Europa, speziell der italienische Markt, aber auch der DAX und der Euro Stoxx 50. Allerdings ist die Lage noch nicht so schlimm wie in Japan, wo sich nur noch sehr erfahrene Marktteilnehmer an das Allzeithoch vor knapp 30 Jahren erinnern können.

An den Märkten dürften auch in den kommenden Wochen vermehrt Unsicherheiten auftreten, wirklich schlagend wirken sie jedoch nicht, weil die Notenbanken mit ihrer expansiven Politik weiter absichern. Als konkretes Risiko für die Kurse am Aktienmarkt sehen wir mit Blick auf die kommenden zwölf Monate die Folgen des Brexits. Die direkten Folgen dürften für die DAX-Unternehmen zwar beherrschbar sein, nichtsdestotrotz drohen indirekt negative Effekte, resultierend aus einer geringeren Nachfrage aus der gesamten EU, die für die DAX-Konzerne das Brot- und Buttergeschäft darstellt. Im Zuge eines sehr schwachen Konjunkturwachstums weltweit, speziell aber auch in der EU, sollten im kommenden Jahr die Unternehmensgewinne bei europäischen Unternehmen kaum wachsen.

Die Aktienmärkte sollten in einem solchen Umfeld kaum steigen und der momentan vorherrschende Optimismus wäre daher übertrieben, die Kurse entsprechend rückschlaggefährdet. Während der nachrichtenarmen Sommermonate drohen jedoch noch keine negativen Nachrichten von der Brexit-Front, so dass der laufende Aufschwung noch einige Wochen anhalten könnte. Spätestens beim Erreichen unseres Kursziels von 10.300 Punkten sollte jedoch über Gewinnrealisationen nachgedacht werden.

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