Euro-Raum: Bau stützt wieder die Konjunktur

Im vergangenen Jahr haben erstmals seit der großen Finanz- und Wirtschaftskrise die Investitionen in Bauten die wirtschaftliche Dynamik im Euro-Raum nicht gebremst. Im Zuge der globalen Krise von 2008 waren die Bauinvestitionen in der Europäischen Währungsunion (EWU) kräftig eingebrochen und vermochten es seither nicht, sich wieder zu alter Stärke aufzuschwingen. Somit blieb auch eine stützende Wirkung für die Konjunktur aus. Auch aus diesem Grund wuchs die Wirtschaftsleistung der EWU lediglich mit einer verhaltenen Dynamik. Insgesamt zeichnete sich zuletzt eine positive Tendenz bei den Bauinvestitionen allgemein sowie beim Wohnungsbau ab, da die Stimmung in der Bauwirtschaft und die Baugenehmigungen im Euro-Raum zuletzt angezogen haben. Somit gehen wir von weiter steigenden Bauinvestitionen aus, wobei allerdings mit regionalen Unterschieden zu rechnen ist.

Trotz der zuletzt leicht positiven Entwicklung lagen die Bauinvestitionen 2015 immerhin um ein Fünftel unter dem Vorkrisenniveau. Am aktuellen Rand zeigt die Investitionstätigkeit in den einzelnen Mitgliedsländern dabei ein recht gemischtes Bild. In Deutschland und den Niederlanden wurde beispielsweise beim Bau eine recht kräftige Dynamik verzeichnet. Anders sieht es dagegen in den übrigen großen Euroländern aus, in denen sich die Erholung nicht so dynamisch gestaltet, sodass vergangene Investitionsniveaus noch nicht wieder erreicht werden. In Italien besteht unter den Kernländern der größte Aufholbedarf, wobei aber seit Ende 2014 zumindest kein weiterer Rückgang sondern eine Seitwärtsbewegung der Bauinvestitionen stattfand. Nichtsdestotrotz notieren die Bauinvestitionen in Italien auf einem sehr niedrigen Niveau. Auch die französischen Zahlen konnten frühere Niveaus noch nicht wieder erreichen. Allerdings ist die Lücke in Frankreich viel kleiner. Darüber hinaus wurde im Schlussquartal und im ersten Quartal jeweils ein leichter Anstieg verzeichnet.

Um einen Blick in die Zukunft zu wagen, ziehen wir die Baugenehmigungen für Wohnungsbauten zu Rate. Sie stehen für die Zahl der aktuell geplanten Bauvorhaben. Somit stellen sie den ersten Schritt im Bauprozess dar und eignen sich daher naturgemäß als Frühindikator. Seit Anfang 2015 ziehen die Genehmigungen im gemeinsamen Währungsraum wieder leicht an: Für das vierte Quartal zeigt der Vorjahresvergleich einen Anstieg um gut elf Prozent. Da die Genehmigungen den gesamten Bauinvestitionen um rund drei Quartalen vorauslaufen, erwarten wir, dass sich deren Ausweitung auch in diesem Jahr positiv niederschlägt – also die Bautätigkeit weiter anzieht. Getragen wird der jüngste Anstieg allen voran von den drei Kernländern Deutschland, Frankreich und Spanien. Die Niederlande mussten hier nach einer bereits früher einsetzenden Erholung zwar zunächst einen Dämpfer einstecken. Doch angesichts der zuletzt deutlich aufgehellten Stimmung bei den niederländischen Bauunternehmen, könnte sich der übergeordnete positive Trend fortsetzen.

Ein weiterer vorlaufender Indikator ist die monatliche Umfrage der EU-Kommission bei den Baubetrieben. Dieses Bauklima hat sich für den gesamten Euro-Raum inzwischen deutlich erholt. Seit dem vierten Quartal 2013 kennt der Stimmungsindikator nur eine Richtung: nach oben, zuletzt sogar mit anziehender Dynamik. Aufgrund der positiven Tendenz stehen auch von dieser Seite die Zeichen für die Bauinvestitionen in diesem Jahr auf Wachstum. Obendrein hat dieser Stimmungsindikator bereits im Juni seinen langjährigen Mittelwert knapp übertroffen.

Mit dem weiteren Ansteigen der Investitionen dürfte die arbeitsintensive Baubranche helfen, die noch immer hohe Arbeitslosenquote in der Währungsunion schrittweise abzutragen. Unterm Strich ist in diesem Jahr mit einem positiven Wachstumsbeitrag der Bauinvestitionen zu rechnen, da die Zahl der Bauanträge sowie das Bauklima nach oben zeigen. Dabei steht die schwache Entwicklung in Italien der Aufwärtsbewegung in Deutschland und Frankreich sowie Spanien gegenüber.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.11

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *