Euro-Raum: Wirtschaftswachstum lässt in Q2 spürbar nach – Inflationsrate weiterhin nur knapp über Null

Das Wirtschaftswachstum der Europäischen Währungsunion hat sich im zweiten Quartal 2016 gegenüber dem ersten Jahresviertel merklich verlangsamt. Nach einem Plus von +0,6 Prozent hat sich gemäß heutiger Schnellschätzung die Zuwachsrate auf +0,3 Prozent im zweiten Quartal halbiert.

Das schwächere Wachstum in der Währungsunion kommt nicht überraschend. Aufgrund von Sondereffekten wie einer milden Witterung war das Wachstum im ersten Quartal wohl leicht überzeichnet. Daher war mit einer gewissen Korrektur zu rechen. Eurostat hat noch keine detaillierte Aufgliederung des Wachstums mitgeliefert. Doch aus den Konjunkturindikatoren und den Informationen aus einigen Mitgliedsländern können Rückschlüsse gezogen werden. Denn die EWU-Industrieproduktion und die Bautätigkeit haben schon eine deutlich langsamere Gangart angedeutet. Zur Mitte des Quartals befinden sich beide Indikatoren jeweils unter ihren Niveaus aus dem ersten Quartal. Der Einzelhandel musste ebenfalls geringere Umsätze verbuchen. Der Außenbeitrag dürfte dagegen positive Wachstumsimpulse geliefert haben, allerdings nur weil die Rückgänge der Warenexporte geringer ausfielen als die der Warenimporte. Dadurch nahm der Überschuss in der Handelsbilanz zu.

Auch einige Mitgliedsländer der EWU haben schon erste Schätzungen zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal veröffentlicht und dabei mehrheitlich schwächere Ergebnisse geliefert. Spanien vermeldete eine Wachstumsrate von +0,7 Prozent, leicht niedriger als im Vorquartal. In Frankreich und Österreich kam das Wachstum jeweils nach kräftigen +0,6 Prozent im Vorquartal zum Erliegen. Bei den Franzosen dürften die Streiks gegen die Arbeitsmarkreform zur Arbeits- und Produktionsausfällen geführt haben. Die belgische Volkswirtschaft konnte dagegen mit +0,5 Prozent einen Gang zulegen und stemmt sich gegen den schwächeren Wachstumstrend.

Insgesamt hat die Wirtschaft der Währungsgemeinschaft nach den heutigen Zahlen abgebremst. Mit dem Brexit und der Diskussion über die italienischen Banken sind zudem noch weitere Unsicherheitsfaktoren hinzugekommen. Zwar gehen wir nicht davon aus, dass dem Euroraum eine erneute Rezession droht. Auf weiterhin nur moderate Zuwachsraten sollte man sich in den kommenden Quartalen aber einstellen. Die wirtschaftliche Lage zeigt sich derzeit stabil, ein kräftiger Aufschwung lässt aber weiterhin auf sich warten. In der Zwickmühle zwischen hoher Verschuldung einer hohen Arbeitslosigkeit und neuer Unsicherheiten dürfte das weitere Wachstum allenfalls moderat bleiben.

Dazu passen einmal mehr die zusätzlichen konjunkturellen Daten, die Eurostat heute veröffentlicht hat. Die Arbeitslosenquote geht nur langsam zurück. Noch immer liegt sie über der Marke von 10 Prozent. Und die Inflationsrate bleibt weiter niedrig. Sie stieg im Juli nur von+0,1 auf +0,2 Prozent. Zwar nehmen die preislichen Belastungen durch den niedrigen Ölpreis in der Tendenz weiter ab, der Preisauftrieb bei den anderen Gütern und Dienstleistungen bleibt aber weitestgehend schwach. Gerade die schwache Inlandsnachfrage dämpft den Inflationsanstieg, unabhängig von EZB-Politik und Ölpreiseffekten.

 

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.20

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *