Helikopter bleibt am Boden, Yen hebt ab

Seit der Oberhauswahl hatten sich in Japan die Erwartungen an ein groß angelegtes Stimulus-Paket überschlagen. Ein Rundumschlag aus fiskalischen Maßnahmen und breit aufgestellter monetärer Lockerung, am liebsten in Form des höchst umstrittenen Helikoptergeldes, schien ausgemachte Sache. Premierminister Abe hat das von ihm versprochene Konjunkturpaket überraschend zügig vorgestellt – ganz anders die Bank von Japan.

Wieder einmal haben wir japanische Geldpolitik in Reinkultur erleben müssen. Nicht, dass es ihre offizielle Maxime wäre, geschweige denn ökonomisch sinnvoll – aber „Enttäuschung der Markterwartungen“ scheint fest zum Instrumentenkasten der Bank von Japan zu gehören. Wir müssen der Bank von Japan zu Gute halten, dass besagte Erwartungen nicht aktiv von ihr selber geschürt worden sind, sondern sich vielmehr Regierung und Finanzmärkte gegenseitig hochgeschaukelt hatten. Diesen beiden Gruppen käme es natürlich sehr entgegen, wenn der geldpolitische Expansionspfad noch weiter eskalieren würde. Stattdessen hat die Bank von Japan sich entschieden, „nur“ den Ankauf von börsengehandelten Fonds aufzustocken, also weder ein höheres Ankaufvolumen von Staatsanleihen noch das Versprechen, dem japanischen Staat Anleihen mit unendlicher Laufzeit abzunehmen (auch als Helikoptergeld bekannt) oder irgendeine andere Variante, die der Regierung bei der Finanzierung neuer Fiskalausgaben helfen würde.

Wir halten das jüngste Zögern der Bank von Japan für einen Versuch, die Kontrolle über die geldpolitischen Entscheidungsbefugnisse zurückzuerlangen und sich eben nicht von Finanzmärkten und Regierung vorführen zu lassen. Insbesondere hat es in den letzten Wochen aus Notenbanksicht keine akute Krise oder drastische Verschlechterung der ökonomischen Gesamtsituation gegeben, die ein überstürztes Handeln rechtfertigen würde. Es gilt aber eindeutig „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, und wir rechnen in den kommenden Monaten sehr wohl mit einem „großen Wurf“ der Bank von Japan, der über ein einfaches Aufstocken des Ankaufvolumens hinausgehen sollte. Da die bisherigen Lockerungsmaßnahmen kaum noch einen Finanzmarktteilnehmer beeindrucken, geschweige denn als nachhaltiger Impuls in der Realwirtschaft ankommen, muss ein neues Kaninchen aus dem Hut gezaubert werden. Ein Indiz dafür könnte Kurodas Ankündigung sein, bei der nächsten Sitzung eine „Bewertung der Geldpolitik bzw. der Effektivität der einzelnen Maßnahmen“ vornehmen zu wollen. Geht es wirklich nur um eine Bestandsaufnahme? Will sich die Bank von Japan von ihrem Inflationsziel verabschieden? Überschreitet sie den Rubikon der direkten monetären Staatsfinanzierung (in Abgrenzung zur indirekten Finanzierung durch ein QE-Programm)? Die Diskussionen über den geldpolitischen Kurs werden uns mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in den kommenden Wochen begleiten und den Yen vor sich hertreiben.

 

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