US-Wirtschaft: Erneut nur schwaches Wachstum, Lagerabbau verhagelt die Quartalsbilanz

Im zweiten Quartal ist die US-Wirtschaft auf das Jahr hoch gerechnet nur um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Dabei lieferte allein der private Konsum einen stattlichen Wachstumsbeitrag von 2,8-Prozentpunkten. Auch der Außenhandel stützte das Wachstum, allerdings lag sein Beitrag nur bei 0,2-Prozentpunkten. Quasi verhagelt wurde die gesamtwirtschaftliche Quartalsbilanz jedoch durch einen kräftigen Lagerabbau, der mit einem Minus von 1,2-Prozentpunkten zu Buche schlug. Ein dämpfender Effekt von der Investitionstätigkeit war hingegen erwartet worden und reduzierte das Wachstum auch nur um 0,5-Prozentpunkte.

Die heutigen Daten befeuern erneut die Sorgen um die Robustheit der US-Konjunktur, auch wenn sich das Bild des privaten Konsums als intakter Wachstumsmotor bestätigt hat. Für Verunsicherung dürfte auch die teilweise deutliche Revision der früheren Quartale sorgen. So hat die amerikanische Statistikbehörde BEA – wie in jedem Jahr – mit der Veröffentlichung der Daten zum zweiten Quartal die Revision der früheren Quartalsdaten bekannt gegeben. Dabei wies das BEA darauf hin, dass weiterhin große Probleme mit der Saisonbereinigung der Daten bestehen, obwohl diese eigentlich durch ein geändertes Verfahren im vergangenen Jahr ausgeräumt werden sollten. Offensichtlich gestaltet sich gerade die statistische Erfassung der ersten Jahreshälfte weiterhin sehr schwierig. So wurde das Wachstum vom ersten Quartal dieses Jahres leicht nach unten revidiert, während das erste Quartal aus dem Jahr 2015 deutlich nach oben revidiert wurde. Nach den heute veröffentlichten Daten ist die US-Wirtschaft also im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent gewachsen und nicht wie zuvor gemeldet worden war nur um 2,4 Prozent.

Da es sich um vergangenheitsbezogene Daten handelt, könnte man jetzt sagen: „Was interessiert mich der Schnee von gestern?“ Wenn denn die Daten zur gesamtwirtschaftlichen Wirtschaftsleistung nicht eine sehr wichtige Grundlage für die Entscheidungen der amerikanischen Notenbank wären. Mit der heutigen Veröffentlichung könnte also der Verdacht aufkommen, dass die Fed im vergangenen Jahr schon eher in ihren Erhöhungszyklus hätte einschwenken können.

Aber bleiben wir bei den Wachstumsaussichten für die größte Volkswirtschaft der Welt. Vor allem die sehr gute Stimmung bei den Dienstleistern spricht für weiterhin robustes Wirtschaftswachstum. Bei der US-Industrie kann ein Ende der Schwäche jedoch noch nicht ausgerufen werden, da einerseits der niedrige Ölpreis weiterhin die Ölindustrie belastet und andererseits die Belastungen durch den deutlich aufgewerteten US-Dollar nur allmählich auslaufen. Darüber hinaus ist der konjunkturelle Zyklus in den USA schon recht weit fortgeschritten. Zusätzlich belastet die verhaltene weltwirtschaftliche Dynamik und auch die Unsicherheit, die von dem Austrittswunsch der britischen Bevölkerung ausgeht. Für die Inlandsnachfrage kommen die überwiegenden Einflüsse aber von der positiven Seite: Die inzwischen sehr gute Beschäftigungssituation sollte auch in den kommenden Quartalen die Kauffreude der Konsumenten befeuern. Allerdings hat die Dynamik am US-Arbeitsmarkt wohl ihren Höhepunkt überschritten. Für konjunkturellen Schub sollte in der zweiten Jahreshälfte wegen der kräftigen Häusernachfrage auch der Wohnungsbau sorgen, der darüber hinaus unverändert vom niedrigen Zinsniveau angetrieben wird.

Auch wenn im laufenden Quartal mit einem gegenläufigen Effekt bei den Lagervorräten, also einem wachstumsstützenden Impuls zu rechnen ist, so dürfte die US-Wirtschaft in diesem Jahr insgesamt nur knapp um zwei Prozent wachsen. Aber wir haben heute ja einmal mehr die Erfahrung gemacht: Nach der Revision ist vor der Revision. Und heute haben wir ja erst die „erste“ von insgesamt drei Veröffentlichungen zum Bruttoinlandsprodukt erhalten.

 

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