Expansive Notenbanken wirken als Beruhigungspille für die Märkte

In den letzten Wochen haben die wirtschaftlichen und politischen Risikofaktoren zugenommen. Die Folgen der Brexit-Entscheidung sind bisher nur in Ansätzen zu erahnen, aber die Hinweise auf die negativen Folgen sind in ersten Stimmungsumfragen und Einkaufsmanagerindizes bereits ablesbar. Die politische Unsicherheit in Ländern wie Spanien oder Portugal, in der sich die Regierungsbildung in einer Endlosschleife befindet, wird angesichts neuer Großbaustellen verdrängt. Unruhig reagierten viele Investoren auf die Probleme im italienischen Bankensektor, die zu Spekulationen über die Notwendigkeit einer erneuten staatlichen Bankenrettung führten. In Frankreich und Deutschland sorgen nicht konjunkturelle Themen, sondern mehrere Terroranschläge für zunehmende Unsicherheit.

Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, dass ein verschärfter Risiko-Mix auf die Stimmung der Investoren schlägt und die Volatilität an den Märkten hoch bleibt. Tatsächlich hat sich die Lage an den Devisenmärkten in den letzten Wochen beruhigt. Der VIX-Index, ein vielbeachtetes Risikobarometer, ist mittlerweile auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr gefallen. Sichere Häfen wie der Schweizer Franken und der Japanische Yen haben ein Teil der Brexit-Gewinne wieder eingebüßt. Der Euro kletterte auf handelsgewichteter Basis sogar wieder auf dem höchsten Stand seit April.

Einen großen Anteil an der Beruhigung der Märkte hatten bedeutende Notenbanken, die weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen in Aussicht stellten. Eine vorschnelle Reaktion nach der Brexit-Entscheidung blieb zwar aus, aber es bestehen mittlerweile kaum noch Zweifel daran, dass die Geldschleusen noch etwas weiter geöffnet werden. Nach der japanischen Notenbank, die am vergangenen Freitag expansiver wurde, ist als nächstes nun wohl die Bank of England am Donnerstag an der Reihe, um der Wirtschaft mit der bereits in Aussicht gestellten Zinssenkung unter die Arme zu greifen. Von der EZB erwarten die Marktteilnehmer dann für den 8. September, dass sie auf eine zeitliche Verlängerung des QE-Programms oder einen expansiveren geldpolitischen Kurs hinweisen wird. Die US-Notenbank wird zwar nicht expansiver, aber die geldpolitische Normalisierung wurde erst einmal auf Eis gelegt.

Neben den Zentralbanken gibt es aber noch andere Beruhigungsmittel für die Märkte. Bei neuerlichen politischen Krisen in der Eurozone wird schnell die Erinnerung an die erfolgreiche Griechenland-Rettung im vergangenen Jahr wach. Die Angst vor dramatischen politischen Verwerfungen wird von einem natürlichen Gewöhnungseffekt verdrängt, der sich aus dem Glaube an die Wirksamkeit politischer Regulierungsmechanismen speist.

 

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 3.40

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *