Substanzlose Erholung – Aktienquote auf null Prozent reduziert

Die Kurserholung der vergangenen Wochen war maßgeblich eine Reaktion darauf, dass das Eventrisiko „Brexit“-Referendum, welches die Aktienkurse im Vorfeld der Volksbefragung zunächst ausgebremst hatte, weggefallen war. Die vorhandene Liquidität kehrte darauf hin zurück an die Märkte, Aktien profitierten wegen ihrer im Vergleich zu Anleihen deutlich höheren Gewinn- und Dividendenrenditen überproportional. In Deutschland hat sich der VDAX auf 18 Punkte zurückgebildet, ein Zeichen für eine hohe Zufriedenheit. Dies alles geschieht nur wenige Wochen vor dem September, dem historisch gesehen schlechtesten Börsenmonat mit einem durchschnittlichen DAX-Kursverlust von -1,5% seit 1960.

Neben der relativen Vorteilhaftigkeit der Dividendenpapiere gibt es aus unserer Sicht aktuell kein weiteres Argument, das für eine kurzfristige Investition in Aktien spricht.

Um das aktuelle Anstiegsmomentum aufrechterhalten zu können, müssten neue Ereignisse den Aktienmarkt überraschen. Mit Blick auf Notenbanken, die seit vielen Jahren kontinuierlich den Einsatz auf „All in“ hochschrauben (damit aber niemanden mehr überraschen können), einem anhaltend hohen geopolitischen Unsicherheitspotenzial und eines weltweit gedämpften Konjunkturausblicks mangelt es jedoch an Katalysatoren, die dem Aktienmarkt nun einen solchen Antriebsimpuls verleihen können.

Wenn es in Anbetracht fehlender Impulse unwahrscheinlich wird, dass die Aktienkurse weiter ansteigen werden, stellt sich im nächsten Schritt die Frage, ob den Aktienkursen nicht sogar ein erneuter Taucher droht.

Wir halten eine solche Konsolidierung zwischenzeitlich für möglich:

Die Bewertung der Aktienmärkte ist speziell in den USA heiß gelaufen. Das KGV des S&P 500 liegt mit 17 Einheiten fast ein Viertel über der historischen Bewertung. Andere Bewertungsrelationen, wie die Größe Marktkapitalisierung zu Bruttoinlandsprodukt, liegen sogar so hoch wie zuletzt in den Jahren 2000 und 2007. Sowohl Sentiment- als auch einfache Kursindikatoren zeigen ebenfalls eine kurzfristige Überhitzung an. Zwar sind DAX und Euro Stoxx 50 nicht so hoch bewertet wie der amerikanische Markt, es ist jedoch kaum davon auszugehen, dass sich die europäischen Märkte einer Korrektur in den USA schadlos entziehen werden können.

Auch die Aussagen verschiedener Unternehmen sowie die jüngst veröffentlichten Frühindikatoren haben unsere negativen Konjunkturerwartungen für die EU und insbesondere Großbritannien bestätigt: Anhaltende Unruhen weltweit, Terroranschläge in Europa und die unklaren Folgen des Brexits wirken bereits heute belastend sowohl auf die Konsumnachfrage als auch auf Neuinvestitionen. Dies wird sich auch in einigen Monaten in den Gewinnschätzungen der Unternehmen niederschlagen. Die aktuellen Konsensschätzungen, die für den DAX von einem Gewinnzuwachs von immer noch 12% für 2017 ausgehen, sind vor diesem Hintergrund wohl utopisch.

Investoren, die in den vergangenen Wochen in Aktien investiert haben, drohen kurzfristig durchaus herbe Enttäuschungen – wenngleich vielleicht erst nach dem Ende der Sommerpause –, weil der fundamentale Unterbau der Unternehmen den Kursaufschwung der vergangenen Wochen nicht mehr tragen kann.

Vor diesem Hintergrund reduzieren wir nun unsere Aktienquote, die wir bereits in der Vorwoche gesenkt hatten, erneut, und zwar von 26% auf null Prozent. Wir verkaufen die bestehenden Positionen an Emerging Markets Aktien und globalen Dividendenwerten. Die Erlöse investieren wir in Anleihesegmente die momentan mehr Defensivschutz bieten.

Mit dieser Maßnahme sichern wir die im Rahmen unseres angestrebten Performancekorridors (4-5% p.a.) liegende Kursentwicklung von +4,9% in 2016 ab

 

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Ein Kommentar

Aus meiner Sicht eine weise Entscheidung.

Spätestens nach den Wahlen in den USA gibt es einen kräftigen Rückgang.

Ich für meinen Teil spekuliere auf einen fallenden S&P 500.

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