Japan: Wirtschaft ohne Schwung im zweiten Quartal

Die japanische Wirtschaft hat im zweiten Quartal kaum mehr als stagniert und ist nur noch um 0,2 Prozent (Q/Q, annualisiert) gewachsen. Dieser Rückschlag ist angesichts der überraschend starken Zahl vom ersten Quartal, für das weiterhin ein gesamtwirtschaftlicher Zuwachs von 2,0 Prozent (ebenfalls Q/Q, annualisiert) zu Buche steht, nicht völlig überraschend, die jüngste Zahl lag aber dennoch unter den Markterwartungen. Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum hat sich Japans Wirtschaft gleichwohl wieder in positives Terrain geschoben, das Wachstum betrug hier +0,4 Prozent (J/J), nach zwei negativen Vorquartalen.

Maßgeblich beigetragen zur schwachen Entwicklung im Frühjahresquartal haben zum einen äußere Einflüsse wie die Produktionsunterbrechungen im April im Zuge des Erdbebens auf der Südinsel Kyushu, wo viele Unternehmen der exportintensiven Auto- und IT-Industrie Produktionsanlagen unterhalten. Die Exportentwicklung war im zweiten Quartal denn auch stark rückläufig (-1,5 % Q/Q, einfache Rate). Aber auch vom Lagerabbau (-0,2 % Q/Q) ging ein negativer Wachstumsimpuls aus. Die Importe gingen ebenfalls zurück (-0,1 % Q/Q), aber nicht mehr mit derselben hohen Rate wie noch im Vorquartal. Während die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen gegenüber dem Vorquartal zurückfielen (-0,4 %), sind die Wohnungsbauinvestitionen aufgrund von Sondereffekten und der Nullzinspolitik der Notenbank mit +4,8 Prozent (Q/Q) nach oben gesprungen. Auch der private Konsum trug positiv zur Konjunktur bei, wenngleich nur in einem recht geringen Umfang (+0,2 % Q/Q). Gleiches gilt für den Staatsverbrauch, der ebenfalls nur um 0,2 Prozent (Q/Q) zulegte. Zusammen konnten die positiv ausgefallenen Nachfragekomponenten den negativen Effekt aus dem Außenhandel, den Ausrüstungsinvestitionen und der Lagerkomponente nur ganz leicht überkompensieren.

Das Wachstum im dritten Quartal sollte etwas anziehen, weil Aufholeffekte nach den Produktionsbehinderungen im Vorquartal wahrscheinlich sind. Gebremst wird die positive Dynamik gleichwohl vom Aufwertungseffekt des Yen, der nach der Brexit-Entscheidung der Briten nun zunächst zu den weiter aufwertungsgefährdeten „sicheren“ Währungen zählt. Zudem ist von der Konsumdynamik keine durchgreifende Erholung zu erwarten, zumal das Verbrauchervertrauen nach der Jahresmitte im Zuge von enttäuschenden Lohnzuwächsen wieder etwas zurück gefallen ist. Auch die Unternehmen haben in den letzten Stimmungsumfragen weiter eher skeptische Erwartungen geäußert. Positive Wachstumseffekte können erst gegen Jahresende vom kürzlich angekündigten Fiskalpaket der Regierung erwartet werden. Zumindest im Winterhalbjahr 2016/17 wird das Wachstum dann durch zusätzliche Staatsausgaben etwas „angeschoben“. Längerfristig verbessert das Paket die Wachstumsperspektive für Japan aber kaum. Eher ist von einer Fortsetzung des typischen „Stop-and-go“-Musters auszugehen: Nach einem kurzfristigen positiven Impuls durch den Staat folgt schon bald eine konjunkturelle Gegenreaktion.

Unsere Wachstumsprognose für das japanische Bruttoinlandsprodukt belassen wir nach den BIP-Zahlen vom zweiten Quartal bei +0,5 Prozent in diesem und bei +0,6 Prozent im nächsten Jahr.

 

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